The Widening Gyre - politisch zu heiß für Osteuropa?

Begonnen von Seamus, Sep 28, 2013, 15:14

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Seamus

Seit ich den Buchcover-Thread aufgemacht habe, wundere ich mich stets warum "Spenser und der Kandidat/The Widening Gyre" in osteuropäischen Ländern nicht publiziert wurde. Weder beim Spitzenreiter Tschechien, noch in Bulgarien und auch nicht in Russland ist dieser Roman je erschienen.

Dabei ist er meiner Meinung nach gar nicht so sehr kontrovers. Es geht um einen Kongressabgeordneten, der Senator werden will und der christlich-konservativ ist.

Ich frage mich daher warum er so umstritten ist? Liegt es wirklich an dem politischen Randthema, warum er in den Ostblock-Staaten nie veröffentlicht wurde - man bedenke, damals zu der Zeit gab es noch die Sowjetunion und die CSSR und amerikanische Literatur war in Teilen der UdSSR sogar verboten.

Aber dennoch hätte der Roman ja nach dem Ende des Kommunismus noch erscheinen können, etwa in den späten 90ern. Gerade bei den Tschechen ist es schon sehr merkwürdig - alle Romane wurden dort übersetzt nur The Widening Gyre (Ok und Wonderland - was aber noch kommt) nicht?

Was meint ihr dazu? Was könnten die Gründe sein?
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Spenser

Vllt. weil er einfach einer der schwächeren ist? Bei mir ist er ja in den "Worst 5" :D :D

nein...im Ernst, das kann natürlich sein, dass das Thema des Buches zu brisant für die dortige Politik ist...
"Mich kennen heißt mich lieben"
"Es bedarf schon einen harten Kerl um ein zartes Hühnchen zuzubereiten"
"I'm a professional Hero!"

Seamus

Vielleicht liegt es ja auch an der Frau von Meade Alexander. Pornografisches Filmmaterial einer "Christin" ist vielleicht zu hart an der Grenze des guten Geschmack's. Die Länder gelten heute ja nicht mehr als prüde, aber damals Ende der 80er, Anfang der 90er, war das vielleicht ja der Fall.

Hmm, was es auch war. Ich finde es immer noch kurios, warum gerade dieser in Osteuropa gemieden wurde und immer noch wird.

Spenser

Portongraphisch zu hart?= Gerade in den Ostblockländern blüht doch das pornographische Geschäft....
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Seamus

Heute ja, aber damals in den 80ern, als in diesen Ländern noch der Kommunismus (mehr oder weniger) regierte?

Spenser

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Mr. Stepinfatchit

Eigentlich ist der Roman doch geradezu prädestiniert, um die Verderbtheit des Kapitalismus zu zeigen und als negatives Beispiel für die westliche Dekadenz zu dienen, also für Propagandazwecke hervorragend geeignet.
Ich habe allerdings einmal gehört (weiß aber leider nicht mehr, um welchen Roman es ging), dass die lesende Bevölkerung von dargestellen Exzessen in Romanen leider nicht wie von der Partei beabsichtigt, schockiert war und das andere System verteufelte, sondern vielmehr neidvoll fasziniert war, weshalb Schilderungen des dekadenten Westens in ihrer beabsichtigten Wirkung wohl öfters eher nach hinten losgingen.

Seamus

Zitat von: Mr. Stepinfatchit in Okt 07, 2013, 16:28
Ich habe allerdings einmal gehört (weiß aber leider nicht mehr, um welchen Roman es ging), dass die lesende Bevölkerung von dargestellen Exzessen in Romanen leider nicht wie von der Partei beabsichtigt, schockiert war und das andere System verteufelte, sondern vielmehr neidvoll fasziniert war, weshalb Schilderungen des dekadenten Westens in ihrer beabsichtigten Wirkung wohl öfters eher nach hinten losgingen.

Ich habe mal von einem Osteuropäer gehört, dass sogar Hemingway Romane zensiert und verboten waren zur Zeit des kalten Krieges. Aber wie bei anderen Waren auch gab es auch bei Bücher Schmuggel und so konnten auch da Menschen die westliche Literatur genießen und waren fasziniert von dem "Verbotenen".

Schade finde ich aber, dass The Widening Gyre auch nach dem Ende der 80er immer noch im Osten Europa's und auch in China (wo es heute noch Zensur westlicher Listeratur gibt) gemieden wird. Ich finde, dass der Roman einer der lustigsten überhaupt ist, gerade auch wegen der Ehefrau. Man kann sogar sagen dass er die amerikanische Politik etwas auf die Schippe nimmt.

Mr. Stepinfatchit

GAnz genau, eigentlich kommen die Amis doch eher schlecht weg und das müsste den Osteuropäern doch eher gefallen.

Spenser

Schon krass, wenn Romane / Bücher gekürzt oder gar verboten werden. Das sowas immer noch passiert, finde ich schon sehr traurig...
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Mr. Stepinfatchit

Wenn so etwas aus politischen Gründen geschieht, ist das natürlich ein unerträglicher Zustand.
Aber es wird ja gerade in Deutschland sehr viel aus wirtschaftlichen Gründen gekürzt, das finde ich auch übel. Nur aus Kostengründen und zur besseren Vermarktung Bücher oder Filme zu kürzen, geht ja gar nicht!