Ich habe meine Meinung doch geändert und das Buch gelesen - weil ich morgen gleich "Lady in the Lake" (meinen absoluten Lieblings-Marlowe-Roman) re-readen will - und habe die Entscheidung nicht bereut!
"Only to Sleep" ist nicht so spannend wie der Marlowe von Denise Mina und die Dialoge sind nicht so kernig und lakonisch wie die Marlowe von Parker. Aber diese hölzerne Schreibweise wie von mir in der Leseprobe angeprangert, hat sich nicht bestätigt. Mir gefiel dann der Schreibstil doch gut und bei den Dialogen hatte ich auch das Gefühl, dass da jemand nicht nur sein Handwerk - sondern auch wie Chandler funktioniert - verstanden hat.
Alleine die Ausgangslage mit einem alten Marlowe der am Stock geht und sein Rentnerleben in Mexiko genießt, war mal eine völlig andere. Auch wenn Osborne an manchen Stellen zu viel auf das Äußere wert gelegt hat, hat die Landschaft andererseits auch den Roman getragen. Es verkommt nicht zu einem Road Movie weil der Fall konstant weitergezogen wird.
Wer einen spannenden Thriller sucht oder einen aufregenden Hardboiled ist hier an der falschen Adresse, liegt aber auch daran dass Marlowe hier schon über 70 ist. So lernt man ihn mal aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Es gibt zwar dennoch Blondinen, Whiskey und flotte Sprüche (sonst wäre es kein Marlowe) aber dezenter eingesetzt.
Ich hätte dem Buch liebend gern 4 Sterne gegeben, aber das Ende war dann leider nicht zufriedenstellend und recht mysteriös. Man erfährt nämlich ein wichtiges Detail überhaupt nicht und man kann nur selbst spekulieren. Eine richtige Auflösung hätte mir besser gefallen. So muss ich dann auf

kürzen.
Schreibstil

Marlowe-Feeling

Fall / Handlung

Humor

Wie soll man ihn einordnen. Er war deutlich schwächer wie "The Second Murderer" von Denise Mina oder jener Marlowe von Hiber Conteris. Für mich ist er on par mit den Marlowe-Romanen von Parker und immer noch um Galaxien besser wie diese miese Katastrophe "The Goodbye Coast" von Joe Ide. Also eher in der Mitte der Chandler-Nachfolger...