1. (Tatort Episode 13) Der Boß 19.12.71In der letzten Tatort-Folge des Jahres 1971 stellte der
Sender Freies Berlin seinen Kommissar
Erwin Kasulke vor, der von
Paul Esser gespielt wird. Die Zuschauerquote lag bei nur 38 %, aber das war auch nicht verwunderlich, denn im
ZDF lief zeitgleich der dritte Teil des Adventsvierteilers
Der Seewolf. Bei der Konkurrenz hätte wahrscheinlich jeder Tatort-Ermittler "blass ausgesehen".

Kasulke brachte es nur auf zwei Einsätze und ist ein eher ruhiger und altmodisch wirkender Ermittler in einer scheinbar aus den Fugen geratenen Welt. Beide Fälle haben eine "ungemütliche" Atmosphäre und zeigen ein tristes und heruntergekommenes Berlin im Ganoven- und Gangster-Milieu. Mit einer Laufzeit von nur einer Stunde ist
Der Boß einer der kürzesten Tatort-Episoden und hat darüber hinaus ein nicht krimitypisches Ende. Wenn man die ersten 14 Folgen (die nächste aus Bayern mit eingeschlossen) insgesamt betrachtet, fällt auf, dass viele aus dem üblichen Krimi-Rahmen fallen und den heutigen Produktionen, bei denen sehr viel experimentiert wird, gar nicht so unähnlich sind.
Der Boß war lange Zeit in sehr tiefer Versenkung verschwunden, wurde 2017 restauriert und gilt inzwischen als Zeitdokument der frühen 70er Jahre. Heutzutage kann man sich wahrscheinlich kaum noch in den "Inselcharakter" des damaligen Berlin hineinversetzen, aus dem man z.B. bei einer Fahndung auch nicht so ohne weiteres entkommen konnte. Wer des öfteren der Meinung ist, dass früher alles besser war, kann durch die beiden Kasulke-Tatorte den Eindruck gewinnen, dass manches anders war, aber nicht unbedingt besser ...

