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Autor Thema: Dr. M schlägt zu (D, 1972)  (Gelesen 191 mal) Durchschnittliche Bewertung: 4
filmfan
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« am: 28. August 2017, 14:25:24 »

Auch wenn der Film wohl nur als Mabuse vermarktet wurde, hierzulande nie im Kino lief und nie auf Datenträger erschien, nehm’ ich ihn hier mal mit rein. Der Punkt ist eh, da er ja von der C-C-C vermarktet wurde/wird, warum es dann kein Mabuse-Film sein sollte, wenn er sogar in der Fassung als Mabuse verkauft wird, die die ursprünglichste ist und das ist ja dann unsere.

Diese ziemlich dünne Story wird von Franco als expressionistischer Bilderrausch inszeniert. Allein die Kulisse gibt dem Film einen ganz besonderen Anstrich. Wüstenahnliche Landschaften und futuristische Bauten zeichnen die Szenerie aus, die Personen werden fast zu Nebenfiguren da die Landschaft doch wirklich was her macht. Die Kamera enthält sich diesmal weitestgehend der Zooms und liefert klare Bilder, die Innenarchitektur von Hans-Jürgen Kiebach ist ebenfalls toll und modern und wird von Manuel Merino bestimmend in die Handlung eingebaut. Übrhaupt leistet sich die Kamera diesmal viele wirklich interessant anzusehende Perspektiven, inklusive einiger skuriler Momente wie der Würgung von Joloff oder der “Todesfahrt in Taylor”.

Die Schauspieler sind diesmal eher aus der zweiten Reihe. Fred Williams gibt hier bei Franco seine Abschiedsvorstellung, er scheint auch nicht mehr so recht Spass an seinem Inspektor zu haben, was auch damit zusammen hängen mag, dass seine Rolle arg klischeehaft ausfällt und bis auf den finalen Schlusstwist relativ unnütz ist. Obwohl Siegfried Lowitz als Star des Films herausgestellt wird, hat er nur eine kurze Rolle als Prof. Orloff, der schon bald von Andros dahingeschlichen wird. Lowitz liefert eine Darstellung von der Stange, er langweilt sich durch die paar Minuten seines Auftritts und ist vor allem damit beschaeftigt, seine Pfeife zu stopfen. Ewa Garden hat als seine Nichte auch nicht wesentlich mehr Spielzeit, sieht aber wesentlich besser aus und das nutzt man natürlich für zwei vollkommen selbstzweckhafte Nacktszenen schamlos aus. Ewa Stroemberg darf in ihrer Rolle des Models Jennifer Paganini (diesen Namen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) das tun, was sie am besten kann: Bei einem Verhör durch Williams geht sie einem dermassen auf den Geist, dass sie nach einem Striptease im Nachtclub von Mabuse entführt wird, gefangen gehalten und zu guter letzt doch noch von Verlobten befreit wird. Als Monster Andros sieht man Moses Augusto Rocha (von dem noch keiner was gehört hat und von dem auch keiner je wieder was gehört hat), der seine stumme Rolle aber durchaus mit einiger Hingabe spielt. Die einzigen beiden, die mit ihren Darstellungen restlos überzeugen können sind Jack Taylor als Dr. Mabuse, der mit seiner Rolle auf und davon geht und Friedrich Joloff, der des Doktoren Assi mit Dämonie und viel Zynismus ausstattet.

Die Musik ist diesmal ein wirkliches Kapitel für sich. Den Löwenateil liefert zum zweiten Mal Rolf Kühn. Der Score setzte sich aus bereits eingespielten “Todesrächer”-Musiken sowie neuen Cues zusammen, wobei besonders die neuen Sachen dem Freejazz huldigen und das minutenlange Titelthema ein wirkliches Sahnestückchen darstellt. Doch Franco beliess es nicht dabei. Erstmal nahm er sich den “Striptease-Blues” (übrigens in einer Version, die von der erhältlichen CD-Aufnahme abweicht und somit warscheinlich ein "Alternate Take" darstellt), den Martin Böttcher 1964 für den supergenialen Bryan-Edgar-Wallace-Film “Das Phantom von Soho” komponiert hatte, und schnitt ihn immer dann ein, wenn Ewa Stroemberg ihren Auftritt hat. Zweitens verwendete er den Track “Dramatische Entscheidung”, von Bert Kaempfert 1962 für den Krimi “90 Minuten nach Mitternacht” komponiert, für die Tötunsgsequenz von Lowitz. Zu guter letzt baute er das von Roland Kovac für eines seiner Selected Sound Library-Alben komponierte „Northern Lights“ in die Szenen ein, in denen Andros beim Anblick der verschleppten Mädchen den Psychokoller bekommt. Obwohl somit 4 Komponisten beteiligt waren, wurde nur Kühn im deutschen Vorspann genannt. Für die spanische Fassung liess Franco gar von seinem Lieblingstonsetzer Daniel J. White einen komplett neuen Soundtrack schreiben.

Die Synchronisation stammt wieder mal von Arne Elsholtz, und hat mit Lowitz himself, Michael Chevalier als Jack Taylor und Gert Martienzen als Friedrich Johloff wirkliche Asse des Fachs im Programm.

Doch alle Bemühungen sollten vergebens sein. Denn kurz nach Beendigung der Synchronarbeiten liess sich Brauner das fertige Stück Film zeigen und sprach dem Werk jede Gewinnchance ab. Noch dazu war eine geplante Vermarktung als waschechter Mabuse-Film unmöglich und eine andere Verwendung gab es nicht. Das führte dazu, dass der Film nie ein Kino von innen gesehen hat, bei der CCC eingelagert wurde und erst im Nachtprogramm der Privatsender seine EA erlebte. Brauner schrieb die investierten Taler ab (allzuviel können's ja nicht gewesen sein) und liess Franco auch nur noch eine Regie machen, und zwar beim absoluten Bauchklatscher “Robinson und seine wilden Sklavinnen”, dessen talenTIERtester Darsteller der Affe Jose war. Der Film ist nicht so prall.

Bewertung: 4/5 Punkten  Sehr guter Film/Serie
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