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Autor Thema: Axel F. - Der Hexer von Bonn (Deutschland / Italien, 1988-1989)  (Gelesen 445 mal) Durchschnittliche Bewertung: 3
Dan Tanna Spenser
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« am: 07. November 2023, 19:52:10 »

Der junge Bonner Medizin - Student Axel F. trägt ein schreckliches Geheimnis in sich, von dem er nur Bruchstücke ahnt. Nach einer freudlosen Jugend hat er alle Brücken abgebrochen. Seine Eltern kamen bei einem Flugzeugabsturz um, worin sein Onkel seine Hände im Spiel hatte. Als er 18 wurde erfährt er sein Schicksal - er ist ein Hexer. Seither hat Axel damit zu tun, sein Schicksal in die Hand zu nehmen und die Welt vor finsteren Mächten und seinem Onkel zu beschützen…

Die Reihe startete einst in der BASTEI-.Comic-Serie "Gespenster Geschichten", ehe sie wegen des großen Erfolgs bei BASTEI ihre eigene Serie bekam. 16 Hefte wurden von 1988 - 1989 herausgebracht.

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« Antworten #1 am: 07. November 2023, 20:05:44 »

Nie gelesen. Klingt aber ziemlich nach Groschenheftserien wie John Sinclair oder Prof. Zamorra.

Und bei "Axel F." muss ich sofort an Eddie Murphy und Harold Faltermeyer denken. Ob die Macher das etwa davon geklaut haben?  Grinsen
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Dan Tanna Spenser
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« Antworten #2 am: 07. November 2023, 22:21:37 »

Nie gelesen. Klingt aber ziemlich nach Groschenheftserien wie John Sinclair oder Prof. Zamorra.

Und bei "Axel F." muss ich sofort an Eddie Murphy und Harold Faltermeyer denken. Ob die Macher das etwa davon geklaut haben?  Grinsen

Haben sie in der Tat zwinkern

Zitat
Als Titel für die neue Serie schlug Werner Geismar „Axel F.“ vor, nach dem damals gerade populären und megaerfolgreichen Soundtrack des Films „Beverly Hills Cop“ von Harold Faltermayer. Handlungsort sollte zunächst Köln sein. Ich bevorzugte allerdings Bonn. Zum einen lag Bonn mit ca. 20 Kilometern viel näher an meinem Wohnort als Köln mit etwa 60 Kilometern.

Übrugens, auf meiner Comic-Homepage habe ich vorhin ein schickes "Dossier" dazu verfast und Infos zusammengetragen

Klick mich
« Letzte Änderung: 07. November 2023, 22:23:46 von Dan Tanna Spenser » Gespeichert

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« Antworten #3 am: 01. Dezember 2023, 22:03:15 »

Habe heute nun das 16. und letzte Heft gelesen. Insgesamt muß ich aus heutiger Siucht sagen, dass mir die Serie nicht mehr ganz so gut gefällt wie damals. Im grunde geht ein Heft 26 Seiten lang, obwohl es 46 Seiten hat, der Rest ist mit kleinen Kurzgeschichten jeweils gefüllt, die 2-4 Seiten lang sind, die ich aber übersprungen hatte, da sie mich nicht interessiert hatten. Also ganz im Stile der damaligen "Gespenser geschichten" Reihe. Die Heft von "Axel F" waren recht eindimensional...im Grunde lief alles immer nach Scherma F. ab, am Ende mußte Axel immer von seiner Urahnung Frederike von Felsenstein gerettet werden. Alles insgesamt...kann man lesen, aber besonders gut istr es auch nicht. Zudem endeten sehr viele Hefte offen, dass der Bösewicht nicht gestellt wird und seine baldige Rückkehr mit einem neuen Plan ankündigt, wozu es aber nie kam, da es eben nur 16 Hefte war. Genervt hatte mich zudem, das man quasi absolut nichts über die Hauptdarsteller erfuhr, weder die "Guten",  noch die "Bösen". Es sollte wohl alles zu etwas sehr großen aufgebaut werden, wozu es denn leider nicht mehr kam....

 Guter Film/Serie gibts von mir für die Gesamtreihe

Meine Vermutung, wieso nach Band 16 auf einmal die Serie beendet wurde war, dass die Reihe einfach eingestellt wurde, weil die Verkaufszahlen nach unten gegangen sind...was auch einen Sinn ergeben hätte, wenn damals schon viele Leute ähnlich wie ich dachten. Aber: Wie ich gegoogelt hatte, war dies absolut NICHT der Grund. Der wahre Grund war viel komplexer. Ich kopiere den grund hier mal rein:

Zitat
Mitte Juli 1989 rief mich Werner Geismar an und machte mit mir einen Termin im Verlag aus. Zumeist ging es bei solchen Meetings um eine neue Serie, die ich schreiben sollte. Also fuhr ich relativ entspannt nach Bergisch Gladbach, ohne die geringste Ahnung, was mich dort erwarten könnte. Erst im Büro des Chefredakteurs erfuhr ich, dass uns der Verleger Gustav Lübbe höchstpersönlich sprechen wollte. Für nähere Erklärungen blieb keine Zeit, da wir etwas spät dran waren. Der für „Axel F.“ zuständige Redakteur Ewald Fehlau begleitete Werner Geismar und mich zum hinteren Trakt im Erdgeschoss des Verlagshauses, wo sich die feudalen Arbeitsräume des Verlegers befanden.

Der Patriarch des von ihm 1953 in einer Garage gegründeten Verlagsimperiums empfing mich überaus höflich. Offenbar hatte er sich über meine Arbeit als Autor für seinen Verlag kundig gemacht und fand einige lobende Worte dafür. Anschließend bot er uns Erfrischungen und Plätze auf einer pompösen Ledergarnitur an. Auf dem Tisch davor lagen mehrere „Axel F.“-Hefte ausgebreitet. Gustav Lübbe setzte sich nicht. Er stand auf der anderen Tischseite, ergriff nach etwas Smalltalk das erste „Axel F.“-Heft, schlug es auf und ging es Seite für Seite durch.

Wobei recht schnell deutlich wurde, dass ihm daran alles missfiel, was den Comic außergewöhnlich machte: Die relativ komplexe Story, die Art der Darstellung diverser Szenen mit Gewalt und vor allem gewisse Freizügigkeiten in Form von ebenso kurvenreichen wie spärlich bis gar nicht bekleideten Damen, die es in solcher Textilarmut bislang noch in keinem Bastei Comic gegeben hatte. Ein weiterer Kritikpunkt, dem er viel Zeit widmete, war die Sprache. Das waren nicht die üblichen 1-Satz-pro-Sprechblase-Sprüche von Bastei. Jede Figur bei „Axel F.“ besaß eine individuelle Ausdrucksweise. Vor allem die in eine spezielle Jugendsprache verfremdete Diktion einer Nichte der Hausmeisterin kam bei dem Verleger nicht gut an. Für ihn war das ein unverständliches Kauderwelsch, das doch kein Leser verstehen könne.
Akribisch blätterte er jedes einzelne Heft durch und wurde nicht müde die Texte des Mädchens laut vorzulesen:
„Echt beknackte Chose. Entweder läuft hier bald ’ne wahnsinnsdicke Story, oder die Kiste ist für mich gelaufen.“
„He Alter, schaukel mal ’ne Kippe rüber.“
„Da staunste, was? Unsere Dekoration gibt dem Bunker ’nen echt heavy Touch! Ist was anderes als Tantchens „Gelsenkirchener Barock“.
„Ihr seid genauso Schlaffis wie all die anderen, die den ganzen Umweltschrott verbrocken, denen völlig schnuppe ist, wohin wir flippen.“ usw.
Nach jeder Sprechblase guckte er mich verständnislos an. Was sollte das heißen? Er verstand jedenfalls kein Wort.

Der Einwand des Chefredakteurs, dass sich das Heft, so wie es war, gut verkaufe und die Kids heutzutage eben so redeten und deshalb die Texte auch verstehen würden, brachte den bislang um Selbstbeherrschung bemühten Verleger von Null mit Hundertachtzig auf die Palme.
Was er sehr laut, sehr dezidiert und in einer nicht ganz druckreifen Wortwahl kundtat. Jedenfalls sollten alle Personen in dem Comic „normal“ reden, so wie die Leute in den „Gespenster Geschichten“ auch und damit basta.

Nach diesem emotionalen Ausbruch beruhigte sich Gustav Lübbe aber schnell wieder. Nachdem er sich während unseres Meetings etwas eingehender mit „Axel F.“ auseinandergesetzt hatte, fand er den Comic – abgesehen von seinen geäußerten Kritikpunkten – im Grunde doch gar nicht so übel. Weshalb wir ihn punktuell lediglich „ein wenig ummodeln“ sollten. Damit aus „Axel F.“ so etwas wie „Gespenster Geschichten“ würde.

Er schloss das Treffen mit einigen versöhnlichen Worten, die er an mich richtete. Gustav Lübbe schüttelte mir die Hand, legte seine andere Hand auf meine Schulter und meinte beinahe väterlich, ich sei doch in der Lage wunderbare Geschichten zu schreiben, wie man an all den Comics aus der Jugendredaktion sehen könne. Deswegen würde es mir sicherlich kein Problem bereiten die kleinen „Ausrutscher“ in „Axel F.“ wieder auszubügeln.

Damit endete eine denkwürdige, weil in den Verlags-Annalen wohl einmalige Unterredung. Dass der Verleger derart drastisch in die Konzeption einer Serie aus seinem Haus eingriff, hatte es bis dato bei Bastei noch nie gegeben. Ewald Fehlau hatte das Gespräch mit Gustav Lübbe sichtlich mitgenommen. Ohne ein Wort zu sagen verschwand er in sein Arbeitszimmer. Ich begleitete Werner Geismar in dessen Büro. Da saßen wir uns einige Minuten lang schweigend am Schreibtisch gegenüber und ließen das Ganze erst mal sacken. Dann sah er mich an und fragte: „Und? Was machen wir jetzt mit dem Heft?“

Wäre „Axel F.“ eine normale Auftragsarbeit gewesen, so wie all die anderen Bastei-Comics, hätte ich die vom Verleger gewünschten Änderungen auf der Stelle und ohne Murren umgesetzt. Doch die Serie war unser beider „Kind“. Der einzige Grund weshalb wir „Axel F.“ überhaupt gemacht hatten war, das eingefahrene „Gespenster Geschichten“-Schema zu durchbrechen. Und jetzt sollten wir alle innovativen Komponenten, die den Comic aus der Masse der gängigen Bastei-Comics heraushoben, über Bord werfen? „Axel F.“ inhaltlich in eine Form zwängen, die daraus einen „Gespenster Geschichten“-Abklatsch machte? Sorry, bei allem Respekt, aber dazu hatte ich echt keine Böcke, deshalb antwortete ich: „Einstellen.“ Werner Geismar nickte und sagte: „Dasselbe war auch meine Überlegung.“ Er griff zum Telefon, rief Ewald Fehlau an und setzte ihn von der Entscheidung in Kenntnis. Obwohl Heft #17 schon druckfertig vorlag, wurde die Serie noch am selben Tag gestoppt. Heft #15 war bereits in der Auslieferung und Heft #16 im Druck, so dass die beiden Ausgaben noch im August und September 1989 in den Handel kamen.

Rückblickend gesehen steht „Axel F.“ für einen Umbruch der Bastei Jugendredaktion, der auf Dauer unumgänglich war. Wenn man sich „Axel F.“ heute ansieht, fällt es schwer, nachzuvollziehen, was Gustav Lübbe an dem Comic so aufgebracht haben könnte. Das Provokante, das Außergewöhnliche bei „Axel F.“ hat die Zeit nicht überdauert. So wie vieles andere aus der Popkultur der 1980er. Filme, Mode, Fernsehserien, Musik oder Comics, etliches was seinerzeit cool und avantgardistisch erschien, wirkt aus heutiger Sicht eher lahm, aufgesetzt oder unfreiwillig komisch. Damals, als „Axel F.“ auf den Markt kam, war der Comic Galaxien von dem entfernt, was die Bastei Jugendredaktion bis zu jenem Zeitpunkt herausgebracht hatte. Genau dieses Anderssein wurde der ambitionierten Serie letztendlich zum Verhängnis.
Quelle

No Gos in den Comics, was Gustav Lübbe sehr aufgeregt hatte:

No-Go: „Unverständliche Jugendsprache“


No Go: Textilbefreite Darstellerinnen


Das man sich 1989 noch über sowas aufgeregt hatte...wunderte mich schon. Heute ist beides absolut ganz und gebe und aus heutiger Sicht belächelt man die Gründe....man darf auch nicht vergessen, dass Gustav Lübbe zu dem Zeitpunkt bereits 71 Jahre alt war und eben absolut alter Schule war mit einer Erziehung die natürlich sehr viel anders war als heutzutage. 1995 war er denn ja verstorben...

Ich konnte Zeichner und Texter verstehen, dass sie sich nicht erpressen lassen wollte und ihren eigenen Stil ändern wollten...der ja wirklich revolutionär war und dann sich lieber gesagt hatten "Wenn wir denm Comic nicht so weitermachen dürfen wie bisher, stellen wir ihn  halt ein!" Kann ich wie gesagt - gut verstehen - schade eben nur für den Leser, der nun mit zig losen Fänden sitzengelassen wurde In diesem Sinne...herzlichen Dank, Herr Gustav Lübbe! sauer

Ihn heute neu aufzulegen, würde sicher nichts bringen, zumal Zeichner und Texter nun mittlerweile 30 Jahre älter sind (wenn sie überhaupt noch leben...)
« Letzte Änderung: 01. Dezember 2023, 23:24:06 von Dan Tanna Spenser » Gespeichert

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