Als Kind hatte ich nur selten die Gelegenheit, die von mir bewunderten Krimiserien im Abendprogramm sehen zu können. Daher war mein Eindruck von einer Serie geprägt von der zufälligen Auswahl von Episoden, die ich zu Gesicht bekam.
Von
Department S konnte ich gleich die erste in Deutschland gezeigte Folge
Spiegelreflexe anschauen, da sie Ende 1970 in die Weihnachtsferien fiel. Da ich damals überwiegend auf Spannung und Action stand, war ich erstmal ein bißchen enttäuscht. Später kamen einige turbulentere Episoden dazu, so dass Department S für mich zu einem Highlight wurde, nicht zuletzt wegen der Schnodder-Synchro von
Rainer Brandt und
Karlheinz Brunnemann, die ich heutzutage oft etwas überzogen finde, insbesondere wenn sie nicht zu den Charakteren passt.
Außerdem kommt hinzu, dass ich inzwischen viele Storys recht dürftig finde. Grundsätzlich fängt jede Folge sehr mysteriös und geheimnisvoll an, aber während vor allem in der Schwarzweiß-Staffel von
Mit Schirm, Charme und Melone mit
Diana Rigg es rätselhaft und sonderbar beginnt und dann die ganze Folge originell weitergeht, scheint bei Department S den Drehbuchautoren schon kurz nach dem Vorspann die Phantasie ausgegangen zu sein und viele der Rätsel gleiten in triviale Gangstergeschichten ab, z.B. in
Raumfahrt der Experten.
Eigenwillig finde ich auch häufig die Begründungen für die rätselhaften Anfangsvorgänge, z.B. in
Wenn die Fische beißen.
Spoiler :
Hier werden neben zwei Leichen Plastikfische gefunden, in denen sich Banknoten finden. Des Rätsel Lösung ist, dass Taucher einer Geldfälscherbande und deren Abnehmer in einem Versteck unter Wasser "Blüten" gegen den Kaufpreis tauschen und die Scheine in Plastikfischen versteckt sind. Klar kann man das so machen, aber es gibt wahrscheinlich auch einfachere Möglichkeiten.

Jedenfalls wirken die Auflösungen auf mich oft sehr konstruiert und wenig logisch.
Sonderbar ist auch gelegentlich die Frage, wieso sich Department S als Spezialabteilung von Interpol mit manchen Fällen beschäftigt, obwohl sie angeblich nur für besondere Fälle zuständig ist, an der sich andere Polizeistationen schon "die Zähne ausgebissen haben". In
Der trojanische Tanker kommt es zu Beginn zu einem Unfall mit einem Tanklastwagen, in dessen Innerem sich allerdings keine Flüssigkeit, sondern ein bewußtlose Frau befindet, die kurz darauf verschwunden ist. Sicherlich ein Rätsel, aber ich glaube nicht, dass Interpol sich gleich auf diesen Fall stürzen würde.

Aktuell sehe ich mir die Serie mal wieder an, wobei mir auffällt, dass ich viele der Rätsel-Auflösungen schon nach kurzer Zeit wieder vergessen habe, obwohl ich die Folgen schon mehrfach gesehen habe. Ich führe das darauf zurück, dass die Lösungen oft nicht stimmig oder einfach "tralala" sind.

Zum Schluss meines vielleicht etwas nörgelig klingenden Statements zu der Serie möchte ich aber auch noch auf ein Highlight hinweisen. Momentan gibt es auf
Youtube alle Episoden digital remastered in einer ausgezeichneten Bildqualität und beim Ansehen wurde mir bewußt, wieviel Wirkung ein sehr gutes Bild auf das Sehvergnügen hat. Die Outfits der drei Hauptdarsteller und zahlreicher insbesondere weiblicher Gastdarsteller sind ein Genuß und viele Dekors sind aufwendig und liebevoll gestaltet. Auch wenn man bei der englischen Fassung nicht jedes Wort versteht, sind viele Episoden ein echter "Augenschmaus".
https://www.youtube.com/watch?v=tcWLvjD49aE&list=PLWzIjl-RsZKvg2hfO_yx_9BX_NChgZ-Gq
