53. (noch nicht in Deutschland erschienen) Hot Property (2024)

Begonnen von Seamus, Feb 29, 2024, 15:33

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Seamus

Seit dem neunundzwanzigsten Kapitel beehrt uns nun auch Vinnie Morris, der seine neuen Thursday-Stiefel, Spenser vorstellt. Aber deswegen ist er nicht aufgetaucht, er muss Shannon Miles beschützen die von Unbekannten bedroht wird.

Wir erfahren dass Joe Broz Neffe John einer der einflussreichsten Baulöwen der Stadt schlechthin ist, ohne den fast nichts geht!  :hawk: Lupica geht nochmal drauf ein, bzw. lässt er Tony Marcus es aussprechen, dass Gerry Broz den Karren in den Dreck gezogen hat. Seitdem schafft es die Broz-Familie nicht mehr, sich aus dem Treibsand zu befreien. Er glaubt nicht, dass John in die Fußstapfen seines Onkels treten kann.

Ich habe nun 65% des Romans gelesen und wie im Vorgänger geht der Hauptgeschichte so langsam der Gang raus. Die Handlung plätschert so dahin ohne dass etwas nennenswertes passiert. Ich bin gespannt ob die Spannung nochmal zurückgekehrt, denn halten konnte der Autor diese leider nie. Er trifft einfach nicht den Ton, den Atkins gemeistert hat und manchmal wäre weniger, wirklich mehr.

Nur mal ein Beispiel im 33. oder 34. Kapitel:
Spenser findet heraus dass ein Unternehmer der in dem Fall verwickelt ist, in Florida ist. Er fliegt ohne es anzukündigen, direkt nach Florida. Susan besucht Rita im Krankenhaus (die beiden sind nun beste Freundinnen, nichts zu spüren von Rita's Avancen ggü Spenser die Susan immer nervig fand); Spenser telefoniert schnell mit Susan; Spenser besäuft sich im Hotel; er verbringt nur eine Nacht dort; er joggt munterseelen am Strand am morgen darauf in Manalapan; besucht die Villa von Thomas Mauro; das Gespräch bringt ihn nicht weiter; auf einmal ist er wieder in Boston (Rückflug wird nicht geschildert) und boxt mit Hawk im Harbor Health Club)

Das hat sich in zwei Kapiteln abgespielt!! Unter Parker oder Atkins gab es nie so eine rasche Abfolge der Ereignisse. Wie soll Spenser noch zur Ruhe finden? Wo sind überhaupt die gemütlichen Kapitel geblieben?

Das lässt mich dann doch enttäuscht zurück. Ich werde das Buch zu Ende lesen, aber der Mittelteil strengt wie im Vorgänger extrem zu Lesen an!!  :(

Mr. Stepinfatchit

Au weia, klingt nicht gerade nach einem modernen Klassiker ???.

Seamus

Ich habe den Roman zum Jahreswechsel hin abgeschlossen und so ganz nach Feuerwerk war mir nach Lesen dieser Lektüre nicht.
Es war kein Bombastfeuerwerk an Unterhaltung, was vor allem an der Sprache liegt. Ich vermisse die bissigen Dialoge zwischen Hawk und Spenser, der lakonische Humor und auch der Aufbau des Buchs ist bei Lupica ein völlig anderer. Negativ hallt bei mir nach (siehe auch "Broken Trust"), dass es einfach zu viele Kapitel gibt. 83 sind für meinen Geschmack too much und es hat sich bestätigt dass es im Mittelteil dadurch viel zu viel Füllmaterial gibt. Spenser über seine Vergangenheit und über frühere Fälle nach und manchmal reiht sich ein Restaurantbesuch auf den nächsten ohne dass im Fall neue Erkenntnisse aufgedeckt werden.

Dies und noch viel mehr könnte man bemängeln...doch die letzten 5 Kapitel lasen sich so spannend, dass Lupica das Ruder nochmal rumgerissen hat. Sukzessive überschlugen sich die Ereignisse dass man fast das Gefühl hatte mittendrin in einem Thriller gelandet zu sein. Jesse Stone spielte eine wichtige Rolle und half Spenser bei den Ermittlungen mit Tatkraft. Überraschend war nur wie sehr sich die beiden auf Anhieb verstanden haben. Gut, beide teilen die Liebe zum Baseball und gehören zum engeren Freundeskreis von Rita, aber die sahen sich ja kaum (wenn ich das noch richtig im Gedächtnis habe, nur zwei Mal). Man kann über die Inklusion einer Crossover-Figur streiten die in so prominenter Weise in der finalen Szene eingesetzt wird, hier fand ich es jedoch passend!

Suboptimal finde ich nach wie vor, dass Lupica auf alle Figuren die Atkins eingeführt hat, verzichtet. Mattie, Lorraine Glass, Jackie DeMarco und Jem Yoon wurden nicht einmal erwähnt.  :wall:

Und John Broz (Joe Broz' Neffe der uns auf so gut wie jeden Kapitel schmackhaft gemacht wird) tauchte physisch nicht auf. Und es wurde nicht aufgelöst wie tief er im Sumpf mit drin steckt. Das hinterlässt einige Fragezeichen lässt aber hoffen, dass er eventuell im nächsten Band mal tatsächlich in Erscheinung tritt.

Die spannende Handlung die sich nochmal um 180 Grad am Ende gedreht hat, kaschiert nicht über die Schwächen hinweg. Beschriebene Lokalitäten lesen sich mitunter verwaschen, einige wiederkehrende Charaktere wie Wayne Cosgrove werden einfach nur für ein Pläuschchen im Cafe eingesetzt (ohne dass sie nennenswerte Infos zum Plot liefern können), Hawk ist nicht mehr der Gleiche, manchmal gibt es in einem Kapitel zu viele Wendungen wo selbst ich als aufmerksamer Leser manchmal den Faden verloren habe.

Zum Guten kann man noch zählen, dass dieses Buch besser ist als der Vorgänger und Susan hat Lupica vorzüglich getroffen. Die Neckereien zwischen ihr und Spenser haben mich stark an Parker erinnert. Man kann es Neujahrsmilde nennen, aber ich bin gewillt dem Buch gute 3 Sterne zu geben. Trotz der genannten schwachen Aspekte ein zum Schluss hin unterhaltsamer Roman der mich positiver gestimmt hat. Ich wünsche mir zwar Ace sehnsüchtig zurück, aber wenn er manches beibehält, dann kann ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass Lupica für die nächsten 5-10 Jahre die Reihe fortsetzt.  :3sterne:


Mr. Stepinfatchit

Puh, ist aber schon eine recht happige Kritik!
Keine coolen Dialoge zwischen Spenser und Hawk, das geht ja gar nicht :(!
Spenser und Jesse in einem Roman zusammen, klingt allerdings ziemlich interessant.
Schade, dass so viele interessante Charaktere fehlen.
Gut, dass zumindest die Chemie zwischen Spenser und Susan noch stimmt.
Alles in allem scheint Lupica aber weiterhin Atkins nicht annähernd ersetzen zu können, schade :(!

Seamus

Zitat von: Mr. Stepinfatchit in Jan 13, 2025, 16:59
Alles in allem scheint Lupica aber weiterhin Atkins nicht annähernd ersetzen zu können, schade :(!

Das ist wohl wahr! Er ignoriert ja schlichtweg alles was in den Atkins-Romanen passiert ist. Das wäre auch erlaubt wenn es sich bei Atkins um einen Nachfolger handeln würde der ähnlich wie Helen Brann nur einen Band geschrieben hätte. Aber Atkins kommt ohne nachzuzählen glaube ich, auf zehn Spenser-Romane. Und die waren allesamt so innovativ, man ist fast geneigt zu schreiben, revolutionär - da darf man einfach nicht überspringen oder eingrführte neue Figuren rausschreiben. Punkt!

Wiederkehrende Charaktere wie Vinnie Morris, Wayne Cosgrove oder Tony Marcus hatten hier in diesem Buch überhaupt keinen Impact. Ich habe mir die Stirn gerunzelt warum er Tony Marcus und seine zwei Kerle so mir nichts dir nichts und ohne Relevanz in jedem seiner Romane mit einbindet. Auch in "Hot Property" brachte Tony keinen Mehrwert. Er konnte Spenser keine Hinweise für den Fall liefern, sondern hat sich einfach nur freundschaftlich mit diesem unterhalten. Was briingt das uns Lesern?

An Tony hat er jedenfalls einen Narren gefressen. Er tauchte auf diese Weise auch in jedem Sunny-Roman von Lupica auf. So macht man einen eigentlich interessanten Charakter nebensächlich. Schade!

Die sich-überschlagenden Ereignisse muss sich Lupica auch abgewöhnen. Wenn in einem Kapitel zu viel passiert, kann man dem Autor zu gute halten, dass sich die Stellen wie aus einem Drehbuch eines Action-Blockbuster lesen. Zu Spenser passt dies jedoch nicht. Ich kopiere nochmal das besagte Kapitel aus "Hot Property":

ZitatSpenser findet heraus dass ein Unternehmer der in dem Fall verwickelt ist, in Florida ist. Er fliegt ohne es anzukündigen, direkt nach Florida. Susan besucht Rita im Krankenhaus (die beiden sind nun beste Freundinnen, nichts zu spüren von Rita's Avancen ggü Spenser die Susan immer nervig fand); Spenser telefoniert schnell mit Susan; Spenser besäuft sich im Hotel; er verbringt nur eine Nacht dort; er joggt munterseelen am Strand am morgen darauf in Manalapan; besucht die Villa von Thomas Mauro; das Gespräch bringt ihn nicht weiter; auf einmal ist er wieder in Boston (Rückflug wird nicht geschildert) und boxt mit Hawk im Harbor Health Club)

Jenes aus Broken Trust setzt dem ganzen die Krone auf:

ZitatSpenser backt Waffeln für Susan; Susan fliegt nach New York; Spenser fliegt nach L.A. zu Z und Mattie (was er dort macht, wird nicht beschrieben); Ohne genau zu erörtern ist Spenser in Sekundenschnelle wieder in Boston und geht mit Pearl Gassi; Spenser isst mit Belson freundschaftlich zu Mittag; Spenser joggt mit Hawk am Charles River; Spenser telefoniert mit Susan; Spenser kann gerade noch einer Kugel ausweichen.

Und das in einem Kapitel!!

Und das unterscheidet ihn von Parker und Atkins. Da hätten wir so etwas nie gelesen und diese beiden Meister beherrschten/beherrschen das Pacing und das Talent, ihrem Charakter nur eine Sache pro Kapitel zuzumuten.

Mr. Stepinfatchit

Klingt ja regelrecht wirr, was Lupica da alles in ein Kapitel zu quetschen versucht, ist ja furchtbar :(.

Seamus

Word!

Das passt einfach null zu Spenser und klingt für Außenstehende und Laien erstmal nach einem 08/15 Thriller mit jeder Menge Action. Furchtbar!!  :gr:

Mr. Stepinfatchit

Au Backe ???!
Das klingt aber gar nicht gut, schließlich waren die Spenser-Romane bislang immer wirklich etwas Besonderes.

Seamus

Mir schwant böses, was von Lupica noch alles kommt.
Wobei man schon sagen muss, dass der zweite schon besser war. Aber sein Erstlings-Spenser kann man ja auch nur überbieten. Da war Marky-Mark ja noch glanzvoller als die Rentnersegmente zwischen Quirk und Spenser in "Broken Trust".

Mr. Stepinfatchit


Seamus

Hart ausgedrückt, aber alleine dass ich dieses Werk zu Ende gelesen habe...sonst breche ich sowas schnell ab.

Mr. Stepinfatchit

Klingt nicht gerade nach "Eternal Love" zwischen Lupica und Dir :(.

Seamus

Ich habe es ja begründet und mein Eindruck bestätigt sich leider. Alles was von Atkins eingeführt wurde, hat Lupica mit einem Wisch herausradiert. Und dieses Schema zieht sich durch die ersten beiden Bände. Wobei und das muss ich auch betonen, der zweite Lupica-Spenser besser war wie der Erstling. Sein Spenser-Debut waren schon die ersten Schaufelspritzer Erde auf dem R.I.P. Spenser Grabstein. Alleine was er aus Mattie, Hawk oder Captain Glass gemacht hat...ohne Worte!

Mr. Stepinfatchit

Na, dann kann ich mir mit der Lektüre noch ein wenig Zeit lassen und erst andere Werke aus dem Parkerversum vorziehen!

Seamus

Ich würde ohne mit der Wimper zu zucken dir die restlichen Atkins-Romane wärmstens ans Herz legen. Die sind allesamt so gut wie die Romane 2-13 von Parker, ohne zu übertreiben. Der einzige der etwas aus der Reihe tanzt ist in meinen Augen ist "Little White Lies", den mochte ich wegen der Finanz-Thematik nicht so, aber ist dennoch ein richtig toller Spenser-Band. Kann ich von den Lupicas nicht behaupten...