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Autor Thema: Wie Jack Klugman den Krebs besiegte  (Gelesen 202 mal) Durchschnittliche Bewertung: 0
Dan Tanna Spenser
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« am: 21. August 2016, 04:01:02 »

Goliath schrieb:
Hier das Kapitel "Overcoming CancerW aus dem Buch "Tony and me", welches über die Krebserkrankung berichtet. Übersetzt von Farbenhexe. Danke!!!!

Diese Geschichte hat mich wirklich sehr berührt und ich freue mich diese heute exklusiv in deutscher Sprache hier im Forum zu präsentieren.

Jack Klugman - Tony and me

Jacks overcoming cancer

1989 probte ich für eine Neuinszenierung von „Die 12 Geschworenen“. Ich war begeistert, wieder daran zu arbeiten, da ich jetzt die Rolle spielte, die mein Vorbild, Lee J. Cobb, innehatte, als wir den Film 40 Jahre zuvor zusammen drehten.

Während der Proben habe ich allerdings bemerkt, dass bei bestimmten Tonhöhen meine Stimme keinen Laut hervorbrachte. Das machte mir Angst, da ich mich viele Jahre zuvor einer Strahlenbehandlung wegen Kehlkopfkrebs unterziehen musste.

Das erste Mal, als ich Krebs bekam, spielte ich TOC im Theater und litt ständig unter Kehlkopfentzündung. Ich schob den Arztbesuch auf die lange Bank, als ich mich schließlich dazu aufraffte, erfuhr ich, dass ich an Leukoplakie, einer gefährlichen Vorstufe von Krebs litt.
„Wenn Sie jetzt mit dem Rauchen aufhören“, sagte mir der Arzt, „wird sie wahrscheinlich verschwinden. Wenn nicht, werde ich in einem Jahr Ihre Stimmbänder entfernen und das wäre das Ende Ihrer Schauspielkarriere“.

Ich hörte von einer Sekunde auf die andere mit dem Rauchen auf und nach 3 Monaten erschien ich zur Nachuntersuchung. Dieses Mal sagte mir der Arzt, dass ich wieder „jungfräuliche“ Stimmbänder hätte – nichts mehr zu sehen. Also, was habe ich gemacht? Ich verließ seine Praxis, ging runter zur Apotheke, die sich in dem Gebäude befand und kaufte eine Packung Zigaretten!

Wie auch immer - 10 Jahre Vorspulen zu den Proben für „Die 12 Geschworenen“: Wir hatten nur noch eine Woche für Proben, ich trieb den Arztbesuch wegen meiner Stimmprobleme voran. Nach der Untersuchung sagte er mir, dass er etwas an meinem Kehlkopf sah, das ihn beunruhigte. Er entschied, eine Biopsie durchzuführen.

Zwei Tage später rief er an und eröffnete mir, dass ich unter invasivem Kehlkopfkrebs litt und sofort operiert werden müsse. Ich mochte das Wort „invasiv“ nicht. Was bedeutete das? Ich fühlte mich wohl! Ich hatte keine Beschwerden, keine Kehlkopfentzündung und verspürte überhaupt keinen Schmerz! Ich fragte ihn, ob die Operation noch 6 Wochen warten könnte, da ich wirklich diese Rolle in „Die 12 Geschworenen“ spielen wollte.

„Jack“, sagte er mir mit Nachdruck, „es ist invasiv“. Wieder dieses Wort. „Das bedeutet, es ist sehr aggressiv. Wenn wir es nicht gleich rausschneiden, werden Sie in 3 Monaten unter Atemnot leiden und in 4 tot sein.“ Nichts hat soviel Widerhall wie eine Diagnose. Er lässt sich mit dem Klang einer Glocke vergleichen, die so hart angeschlagen wurde, dass sie Risse zeigt. Also verließ ich die Bühne und flog nach New York, um mich am Mount Sinai Hospital operieren zu lassen. Mein Arzt, Dr. Max So, seit Jahren mein HNO Arzt, meinte, er sei für die OP zu alt – aber er hätte einen „Burschen“ mit „goldenen Händen“ ausfindig gemacht.
Max erklärte mir, dass er im OP-Saal anwesend wäre, aber dieser Bursche würde die eigentliche Operation durchführen. Das Ziel war, den Krebs herauszuschneiden, aber den Kehlkopf unversehrt zu lassen. Es war jedem klar, dass meine Stimme mein Lebensunterhalt war.

Dr. Hugh Biller hieß der Bursche und hatte goldene Hände. Er führte eine sensationelle Operation durch. Das Problem war: Als sie drin waren, wurde offensichtlich, dass sich mein Zustand dahingehend verschlimmert hatte, dass tieferer Schnitt notwendig war, als geplant. Die Folge: mein rechtes Stimmband musste bis auf einen Stumpf verkürzt werden, das Ziel einer vollen Stimmerhaltung wurde nicht erreicht.

Nach der Operation war ich von der Nachricht niedergeschmettert. Sicher, ich hatte den Krebs besiegt, aber ich hatte überhaupt keine Stimme, keinen Ton! Ich konnte nur flüstern. Ich fühlte mich wie John Henry, das Pferd, das beim Rennen 6 Mio Dollar gewonnen hatte. Am Tag, als es aufhören musste, wurde es nicht nur wertlos, es wurde zur Belastung. Es war ein Wallach, der sich nicht fortpflanzen konnte. Ich war ein Schauspieler, der nicht sprechen konnte.

Der erste Freund, der mich im Krankenhaus besuchte, war Tony Randall.
„Es wird schon wieder“ versicherte er mir. Ich gestikulierte, um zu zeigen, wie sehr mich der Verlust meiner Stimme ärgerte! Er lächelte und kam ein wenig näher. „Hey, seien wir ehrlich, Jack“ alberte er herum, „Du hattest nie die Stimme von Richard Burton“. Ich konnte eigentlich nicht lachen, aber lächelte genug, um ihn spüren zu lassen, wie sehr ich seinen Humor schätzte. Dann wurde er sehr ernst, schaute mir direkt in die Augen und sagte: „Jack, wenn Du jemals wieder Lust hast, zu arbeiten, werde ich eine Möglichkeit für uns finden. Und Du weißt, ich meine, was ich sage“.

Ich wusste, er meinte es ernst und schätzte den Gedanken, aber fühlte mich verloren. Von einem Tag auf den anderen bin ich vom Höhepunkt meiner Leistungsfähigkeit, den Proben für eines meiner Lieblingsstücke, zu einem Wallach inmitten von Deckhengsten geworden. Die Schauspielerei war für so viele Jahre mein bester Freund, ich erlitt einen seelischen Schock, als er jetzt plötzlich fortgeschafft wurde.

Eine Zeit lang war ich wütend und verbittert. Ich erinnere mich, dass ich kurz nach meinem Krankenhausaufenthalt im Fernsehen einen Pitcher (Werfer) der New York Mets sah, der seinen rechten Arm an den Krebs verloren hatte. Seinen rechten Arm! Das, was er am meisten brauchte! Ich tobte. „Das ist nicht fair“ gluckste ich vor dem Fernseher. „Ich brauche meinen rechten Arm nicht und Du brauchst Deine Stimme nicht! Wieso können wir nicht tauschen?“ Natürlich funktioniert diese Welt nicht so. Aber das war mir egal. Ich kochte weiterhin für ca. 3 Wochen vor Wut - bis mir plötzlich klar wurde, dass ich nicht die Karten ausspielte, die mir ausgeteilt worden waren. Sicher konnte ich herumsitzen und Gott oder dem Schicksal die Schuld geben, aber davon käme meine Stimme auch nicht wieder. Also hörte ich damit auf. Ich hatte zwar noch immer schlechte Laune, aber hörte damit auf, im Flüsterton herumzukreischen.

6 Monate später rief mich die Amerikanische Krebsgesellschaft an, um mich als Sprecher für eine Veranstaltung in Atlanta, Georgia, zu gewinnen. Sie wollten, dass ich die Aktion „Tree of Life“ (Lebensbaum) Hunderten von Krebsüberlebenden und deren Ehepartnern vorstellte (Anm.: die Tree of Life Aktion verfolgt(e) das Ziel, Spendengelder zu generieren. Für eine Spende von 1 USD können Menschen die Namen von geliebten Krebsopfern auf einem Anhänger verewigen und diesen dann an bestimmte reale Bäume hängen.). Sie wollten auch, dass ich eine Rede halte. „Sind Sie irre?“ fragte ich. „Wir wissen, dass Sie keine Stimme und Schwierigkeiten beim Sprechen haben“, antworteten sie. „Schwierigkeiten beim Sprechen?“ keuchte ich. „Verschonen Sie mich!“ „Eigentlich ist es Ihr Promi-Status, der für uns reizvoll ist“, räumten sie ein. „Ihre Anwesenheit würde für die Überlebenden viel bedeuten“. Ich fragte mich weswegen. Warum würde meine Rede für sie einen Unterschied machen? Wer zum Teufel war ich eigentlich für sie oder sie für mich?

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich niemandem gestattet, meine verletzliche Seite zu sehen, noch nicht einmal meine Kinder. Warum sollte ich jetzt damit anfangen? Ich hatte es mir mein ganzes Leben lang zum Prinzip gemacht, nie jemand um etwas zu bitten. Schon im Alter von 6 Jahren habe ich Schuhe poliert, um Geld zu haben, ohne jemandem verpflichtet zu sein. Ich verkaufte Brezeln für einen Penny das Stück, um das Mittagessens zu finanzieren. Als ich ein Fahrrad wollte, habe ich Abos für Colliers (Wochenmagazin), die Saturday Evening Post und das Ladies Home Journal verkauft. Es war schon immer so. So habe ich mich geschützt. Demzufolge war ich ein gütiger Spender, aber lausiger Empfänger, was Liebe anging. Trotzdem haben sie mich rumgekriegt. Ich habe zugestimmt, der Ehrengast dieser Veranstaltung der Amerikanischen Krebsgesellschaft zu sein – solange ich dafür nichts bekam. Wenn mein Promistatus den Menschen ein wenig Inspiration brachte – super. Ich war todsicher, dass es mir nichts bringen würde.

Also flog ich nach Atlanta, Georgia, Herzflattern inklusive. Dieses unbehagliche Gefühl hinsichtlich der Veranstaltung wurde ich nicht los. Schon bei der Landung in Atlanta wusste ich auch, woran das lag: über 38 Grad Celsius bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ich wusste, dass die Veranstaltung draußen stattfinden sollte und als ich dort tatsächlich ankam, wurden meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt: kein Schatten nirgendwo und die Außentemperatur erreichte den Höchstwert von 39,5 Grad Celsius. Mann, die Veranstaltung fing ja mies an – und so war auch meine Laune. Was ich nicht wusste, war, dass die Hitze das geringste der Probleme darstellte – gerade als ich mich dem Redepult näherte, fiel die Lautsprecheranlage aus! Unfassbar! Kein Mikrophon, keine Stimme, nur ich allein vor einer großen, erwartungsvollen Menschenmenge - ohne Möglichkeit, zu kommunizieren. Ich sprach, aber niemand konnte mich hören. Es war ein Alptraum. Was es noch schlimmer machte, war, dass ich mich aufgrund der Umgebungsgeräusche noch nicht einmal selbst hören konnte.

Ich war so sauer. Ich hasste mich für die Zusage. Ich hasste die Amerikanische Krebsgesellschaft dafür, dass sie mich gebeten hatten, zu kommen. Ich hasste die Überlebenden und deren Ehepartner. Und jetzt, um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, sollte ich diesen Leuten den „Tree of Life“ vorstellen. Es müssen 500 Leute dort gewesen sein und jeder Einzelne von ihnen wollte mich treffen. Sie kamen auf mich zu, jeweils 2, der Überlebende mit Ehepartner, und ich sollte ihnen gratulieren und ihnen ein Tree of Life-Poster überreichen. Als ich sah, wie die Leute sich aufstellten, musste ich alle Kräfte zusammennehmen, um nicht davonzulaufen. Das Einzige, was mich dort hielt, war mein Versprechen. Ich hatte zugesagt, den ganzen Abend zu bleiben und konnte und würde es niemals brechen.

Dann geschah etwas völlig Unerwartetes. Es war eine kleine Sache, aber sie sollte mein Leben verändern. Ich bemerkte, dass ich mich nach der Übergabe des fünften Posters besser fühlte. Tatsächlich, nachdem mehr und mehr Leute zu mir gekommen waren, verstärkte sich das gute Gefühl in mir. Ich begann, den Worten der Leute bei der Übergabe des Tree of Life zuzuhören: „Wir lieben Dich Jack“, oder „Du siehst gut aus, Jack“ oder „Wir haben für Dich gebetet“ oder „Du wirst es schaffen, Jack“.

Vielleicht passierte es, weil ich mich elend fühlte, ich weiß es nicht – aber diese Leute, die ich noch vor einer Minute gehasst hatte, halfen mir. Was war los? Was war plötzlich geschehen, dass Hoffnung in mir aufkam und ich Verbundenheit verspürte? Noch bevor ich die Frage gestellt hatte, erhielt ich die Antwort. Nicht ein einziger der 500 Menschen, die auf mich zukamen, benutzte das Wort „ich“. Nicht einer konfrontierte mich mit Selbstmitleid oder beklagte sich darüber, wie er sich fühlte oder suchte in meiner Person Rettung. Im Gegenteil, jeder einzelne dieser Menschen – außer mir - dachte an jemand anders! In diesem Moment wusste ich, was es heißt, ein Krebsüberlebender zu sein. Ich wurde von dem Gefühl übermannt, mich entschuldigen zu müssen. Ich lief zur nächsten Herrentoilette, wo ich den zweitglücklichsten Schrei meines Lebens abließ. Dann habe ich mein Selbstmitleid direkt im Waschraum (dort, wo es hingehörte) abgeladen und kehrte zur Veranstaltung zurück. Sie fotografierten mich 250 Mal an diesem Tag und mein Lächeln war auf jedem einzelnen echt.

Ich beschloss, Sprecher der Amerikanischen Krebsgesellschaft zu werden und bereiste die ganze Welt – Guam, Europa, Asien – und erzählte wildfremden Leuten meine Geschichte und hörte der ihren zu. Es war eine großartige Erfahrung, da wir alle - im Kampf um unser Leben - zu Brüdern und Schwestern wurden.
Gespeichert

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