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Autor Thema: Das 7. Opfer (D, 1964, BEW 6)  (Gelesen 174 mal) Durchschnittliche Bewertung: 5
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« am: 22. August 2017, 22:56:27 »



Das siebente Opfer (auch in der Schreibweise Das 7. Opfer)[2] ist ein deutscher Kriminalfilm, der 1964 unter der Regie von Franz Josef Gottlieb in West-Berlin gedreht wurde. Die Verfilmung des Romans Mit Mord begann es (Originaltitel: Murder Is Not Enough) von Bryan Edgar Wallace war der siebente von insgesamt zehn Bryan-Edgar-Wallace-Filmen von Artur Brauners CCC-Film, mit denen der Filmproduzent am Erfolg der 1959 gestarteten Edgar-Wallace-Serie der Konkurrenz teilhaben wollte. Filmstart in den bundesdeutschen Kinos war am 27. November 1964.

Handlung

Der wohlhabende Lord Mant, ein ehemaliger Richter, ist stolzer Besitzer des Pferdes Satan, das als Favorit des bevorstehenden Pferderennens Royal Ascot gilt. Skrupellose Verbrecher, allen voran der zwielichtige Geschäftsmann und Nachtclubbesitzer Ed Ranova, wollen den Sieg des Pferdes verhindern und schrecken auch vor Mord nicht zurück. Als während einer Party des Lords ein Trompeter, der offenbar zu viel wusste, erschossen wird, übernimmt Inspektor Bradley von Scotland Yard den Fall. Zum Umfeld des Lords gehören unter anderem Mants Schwester Jenny Stratford, deren attraktive Nichte Avril Mant, der erpressbare Veterinär Howard Trent sowie der neugierige Butler Irving und Reverend Turner, ein häufiger Gast des Hauses. Wenig später trifft noch der eigenwillige Maler Peter Brooks, ein eher zufälliger Gast, im Schloss ein. Er interessiert sich unter anderem für Avril, die auch von Howard Trent umworben wird.

Schließlich fällt Lord Mant selbst einem Mord zum Opfer. Inspektor Bradley stellt am nächsten Morgen fest, dass der Safe des Lords geöffnet und ein Testament gestohlen wurde. Brooks empfängt unterdessen die ihm nachgereiste Diätschwester Molly Dobson, die gemeinsam mit ihrem Patienten die Gespräche des Hauses abhört. Auf Schloss Mant und im Londoner Nachtclub Silberne Peitsche ereignen sich weiterhin rätselhafte Dinge. Verdächtige und unschuldige Personen werden kaltblütig beseitigt, heiße Spuren verlaufen im Nichts. Am Tag des Rennens verschwindet der Jockey, der Satan reiten soll und der Sohn des Lords wird ermordet. Auflösung: Im letzten Moment reitet Avril Satan und führt ihn zum Sieg des Derby von Ascot. Inspektor Bradley entlarvt schließlich noch einen weiteren Hintermann der kriminellen Machenschaften: Reverend Turner, der Bruder des unschuldig hingerichteten Falconetti, der sich an Ranova rächen wollte.
Entstehungsgeschichte
Vorgeschichte

Im Fahrwasser der seit 1959 von Constantin Film vermarkteten Edgar-Wallace-Filme der Rialto Film entstanden in den 1960er Jahren zahlreiche weitere Kriminalfilme nach ähnlichem Muster. 1960 startete der bereits in den 1950er Jahren etablierte Filmproduzent Artur Brauner mit den Doktor-Mabuse-Filmen eine eigene Filmserie, ab 1962 brachte er Filme nach Stoffen von Bryan Edgar Wallace, dem Sohn des bekannten Schriftstellers Edgar Wallace, in die Kinos. Brauner hatte Verfilmungsrechte der Romanvorlagen und das Recht, den Namen Bryan Edgar Wallace für frei erfundene Filmstoffe zu verwenden, erworben.

Nach dem im Juli 1964 gestarteten Film Das Ungeheuer von London-City war als nächstes die Realisierung des Bryan-Edgar-Wallace-Films Der weiße Teppich geplant. Als Hauptdarsteller waren Carlos Thompson, Sabine Bethmann, Hans Nielsen, Walter Rilla, Charles Regnier und Chris Howland, als Regisseur Franz Josef Gottlieb vorgesehen. Aufgrund der Ähnlichkeit mit dem Titel des Weinert-Wilton-Krimis Der Teppich des Grauens verschob man das letztlich nie realisierte Projekt.
Vorproduktion und Drehbuch

Regisseur Franz Josef Gottlieb hatte ein Drehbuch nach dem Roman Mit Mord begann es (Originaltitel: Murder is not enough) verfasst, das ohne Änderung von Artur Brauner und vom Nora-Filmverleih akzeptiert wurde. Gottlieb hatte bereits mehrere erfolgreiche Kriminalfilme inszeniert, darunter Der schwarze Abt nach Edgar Wallace und Das Phantom von Soho nach dessen Sohn Bryan Edgar. Für das Szenenbild waren die Architekten Hans-Jürgen Kiebach und Ernst Schomer verantwortlich. Während die beiden vorangegangenen Bryan-Edgar-Wallace-Filme im aufwendigen Ultrascope-Format (1:2,35) entstanden waren, wurde Das siebente Opfer im Normalformat (1:1,33) aufgenommen. Kameramann war der Schweizer Richard Angst, zu dessen bekanntesten Arbeiten unter anderem Die weiße Hölle vom Piz Palü (1929), Rembrandt (1942) und Das Wirtshaus im Spessart (1958) gehören.
Dreharbeiten

Die Dreharbeiten fanden vom 10. August bis 11. September 1964 in West-Berlin und in den CCC-Studios in Berlin-Haselhorst statt. Die Szenen an der Ruine entstanden in der Einemstraße am Nollendorfplatz, die Reit- und Stall-Aufnahmen filmte man beim Reitsportverein Deutschlandhalle. Da man auch in der Reithalle im Originalton drehte, mussten viele Szenen mehrmals wiederholt werden, was die Filmarbeiten verzögerte.[3] Die unter anderem aus Wallace-Filmen von Regisseur Franz Josef Gottlieb bekannten Schauspieler Werner Peters und Dieter Borsche haben im Film jeweils einen kurzen Cameo-Auftritt als Party- bzw. Nachtclub-Gast. Rolf Zacher hatte als Nachtclub-Kellner einen seiner ersten Filmauftritte.
Filmmusik

Bis zur 2005 erfolgten Neuabtastung fehlte bei allen Video- und Fernsehfassungen der farbige Vorspann des ansonsten in Schwarzweiß gedrehten Films. Deshalb war jahrelang nicht (mehr) bekannt, dass die originale Titelmusik von Raimund Rosenberger auch in der deutschen Fassung des 1966 von Constantin Film koproduzierten Edgar-Wallace-Films Das Rätsel des silbernen Dreieck zu hören ist. Bisher erschien kein Musiktitel des Film-Soundtracks auf CD.
Rezeption

Die FSK gab den Film nach einer Prüfung am 5. November 1964 ab 16 Jahren frei. Die vorherigen Wallace-Filme Brauners wurden von den marktführenden Filmverleihern Gloria-Film und Constantin-Film (Der Fluch der gelben Schlange) professionell und in Abstimmung mit anderen Filmtiteln vermarktet. Der vom Nora-Filmverleih vertriebene Film Das siebente Opfer konnte sich trotz Starbesetzung und positiver Kritiken schlechter gegen die aufwendig beworbenen Filme der Konkurrenz durchsetzen als seine Vorgänger. Bei damals durchgeführten Umfragen des Fachblattes Filmecho/Filmwoche, bei denen die Kinobesucher aktuelle Filme auf einer Skala von 1 (ausgezeichnet) bis 7 (sehr schlecht) bewerten konnten, schnitt der Film mit der Note 3,6 ab. Zum Vergleich: Die im gleichen Jahr veröffentlichten Filme Das Wirtshaus von Dartmoor (3,1), Der Hexer (2,3) und Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse (3,6).

Nachdem Artur Brauner die Mabuse-Serie eingestellt hatte, kam es zunächst auch nicht zur Realisierung weiterer Bryan-Edgar-Wallace-Filme. So wurde das für 1964/65 angekündigte Projekt Der weiße Teppich nicht weiter verfolgt. Unter der Regie von Franz Josef Gottlieb sollten darin Carlos Thompson, Sabine Bethmann, Hans Nielsen, Walter Rilla, Chris Howland und Charles Regnier mitwirken. Der Ankündigungstext versprach einen „mit Dynamit geladenen Krimi. Um einen weißen Gebetsteppich, ein aus Tibet gestohlenes Heiligtum, entsteht im London von heute ein Kampf, bei dem sich rätselhafte Morde mit zunächst unerklärlichen Motiven ereignen.“ Stattdessen konzentrierte sich Brauner auf internationale Großproduktionen wie Der Schatz der Azteken (1965) oder Die Nibelungen (1966/67). Die Bryan-Edgar-Wallace-Serie sollte erst mit der 1970 uraufgeführten italienisch-deutschen Koproduktion Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe fortgesetzt werden.
Kritiken

    „Ob verschiedener Tatmotive überschneiden sich die Delikte von zwei Verbrechergruppen, sodaß die Handlung undurchsichtig, wenn auch restlos gelöst wird.“

– Paimann’s Filmlisten, November 1964[4]

    „Relativ geschickt gestaltet und humorvoll aufgelockert.“

– Lexikon des internationalen Films[5]
Literatur

    Bryan Edgar Wallace: Mit Mord begann es. Ungekürzte Ausgabe. Wilhelm Goldmann Verlag, München 1962 (Goldmanns Taschen-Krimi 1100)



    Hansjörg Felmy: Peter Brooks
    Ann Smyrner: Avril Mant
    Hans Nielsen: Reverend Turner
    Wolfgang Lukschy: Ed Ranova
    Heinz Engelmann: Inspektor Bradley
    Helmuth Lohner: Gerald Mant
    Walter Rilla: Lord Mant
    Harry Riebauer: Veterinär Trent
    Peter Vogel: Butler Irving
    Trude Herr: Molly Dobson
    Alice Treff: Jenny Stratford
    Ann Savo: Yo Ma
    Friedrich G. Beckhaus: Jockey Palmer
    Edgar Wenzel: Giuseppe Ranova
    Rolf Eden: Ed Ranovas Bodyguard
    Werner Peters: mysteriöser Partygast
    Dieter Borsche: mysteriöser Mann im Club
    Rolf Zacher: Kellner im Club
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« Antworten #1 am: 22. August 2017, 22:57:21 »

Habe mich gewundert, dass ihr hier noch keinen Thread zu diesem Film habt! Huch

Ich halte „Das siebente Opfer“ für einen absolut ausgereiften Krimi im Groschenheft-Stil, der mit einer notwendigen, guten Portion Selbstironie gewürzt ist. Dementsprechend kam es dann auch zu den kuriosen Cameos von Werner Peters und Dieter Borsche, zu dem grotesken, überhaupt erst den Filmtitel erklärenden Ende (Peter Vogel schießt und sagt: „Das siebenteh Ohpfer“...) und dem massiv überzeichneten Bösewicht mit hart verzerrter Stimme, zuerst von hinten eingefangen, wie er die Füße oben hat, im Sessel sitzt, pafft und telefoniert. Die Schauspielerauswahl zählt für mich zu den interessantesten bei einer rein deutschen Wallace und Co.-Produktion, bietet eigentlich ausnahmslos super Besetzungen. Besonders gut gefallen mir hier Helmuth Lohner, der seinen an sich relativ eintönigen Part schon allein durch seine Präsenz und seine markante Stimme aufwertet, und Wolfgang Lukschy als Schurke. Auch Hans Nielsen spielt hier seine vielleicht markanteste Rolle im Bereich „Wallace & Co.“. Ann Savo ist hier große Klasse. Sie spielt hier sehr schön schelmisch, eigensinnig und clever. Heinz Engelmann ist eine gute Inspektorvariation, im Prinzip die Figur, die ich mir beim „Henker von London“ als Ersatz für den, der Handlung "geschuldet", nicht zur Idenfitikationsfigur werden könnenden Felmy gewünscht hätte. In diesem Film hier spielt Felmy seine beste und sympathischste Rolle im Bereich „Wallace & Co.“, zumindest von denen die ich kenne (kenne "Ungeheuer von London City" noch nicht). Walter Rilla fand ich hier nicht so aufgesetzt wie in den meisten anderen seiner Wallace/Co.-Auftritte, abgesehen von Mabuse, er füllt seinen Part gut und nicht überzogen aus, allerdings bleibt es letztlich Klischee, ist keine wirkliche Variation. Trude Herr ist lustig und zum Glück ebenso wie Peter Vogel nicht zu sehr, wie manchmal ein Eddi Arent, in den Vordergrund gespielt. Harry Riebauer überzeugt erneut in einer nahbaren, nicht aufgesetzten, Rolle des „Schurken, der einer ist, weil’s keinen anderen Ausweg zu geben scheint“ und spielt dabei eigentlich auch seine markanteste Rolle im Bereich Wallace & Co. mit dem größten Erinnerungswert, vielleicht abgesehen vom „Würger von Blackmoor“, weil er da ja die Hauptrolle spielte. Seine Sterbeszene ist hier jedenfalls ziemlich intensiv.
Ein sehr kantiges Gesicht und das notwendige dazugehörige Schauspiel bringt auch die zweite Hälfte der Schurken-Familie Ranova, neben Wolfgang Lukschy, mit. Wobei ich mir beim Namen des Schauspielers nicht ganz sicher bin... Ist das Edgar Wenzel oder jemand anderer?!

Fazit: Gottlieb in Top-Form. Stilistisch, inhaltlich und schauspielerisch ein Geniestreich mit herrlicher Selbstironie. Trash, der sich in sich selbst parodiert und dabei mit einer schönen Figurenvielfalt nie langweilt und gut Spannung aufbaut, gerade durch die vielen relativ zentralen Figuren. Fantastische Titelmusik, lustige Cameos. Die mit am besten ausgewogenen Komiker-Besetzungen bei Wallace & Co. Schöne Handlungsorte (Anwesen, Stallungen, Hafen mit Boot, Kneipe), sehr stilsicher und spannend eingefangen, auch ohne „Wald, Moor“-Szenen. Der Film spielt mit Vorrang direkt im gesellschaftlichen Umfeld, hat gerade zu Anfang die Party, welche die High Society hervorhebt und nimmt keine Ausweiche auf freies Land (eben Wald, Moor), wodurch gerade der Kontrast bzw. die Stille bei Riebauers Ende sehr gut wirkt. Die Morde sind allesamt ziemlich cool gemacht und auch die Stallungen an sich wirken regelrecht mysteriös, obwohl sie weder pseudo-düster noch sonst was präpariert sind - es ist halt einfach nur ruhig da und der Mord kann so z.B. klasse geschehen.
Als Parodie besser als „Der Wixxer“ und als Film im Zuge von Wallace ebenfalls sehr, sehr unterhaltsam in allen Belangen, aber entsprechend anspruchsfrei und somit nicht direkt mit frühen Wallace-Filmen vergleichbar, am ehesten noch mit der Kategorie „Hexer“.

5/5 Punkten Geniale/r Film/Serie
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