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Autor Thema: Der Henker von London (D, 1963, BEW 3)  (Gelesen 126 mal) Durchschnittliche Bewertung: 5
filmfan
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« am: 23. August 2017, 23:17:59 »


Der Henker von London ist ein deutscher Kriminalfilm, der 1963 unter der Regie von Edwin Zbonek entstand. Die Verfilmung des Romans George und Jojo (Originaltitel: The White Carpet) von Bryan Edgar Wallace war der vierte von insgesamt zehn Bryan-Edgar-Wallace-Filmen von Artur Brauners CCC-Film. Der Filmproduzent wollte damit am Erfolg der 1959 gestarteten Edgar-Wallace-Serie teilhaben. Der Schwarzweißfilm in Ultrascope startete am 22. November 1963 in den bundesdeutschen Kinos.

Inhalt

Der sogenannte „Henker von London“ hält die britische Hauptstadt in Atem. Mit seiner Verschwörerbande hat der mysteriöse Mann bereits drei Verbrecher, deren Taten bis dahin nicht aufgedeckt wurden, zum Tode durch den Strang verurteilt und hingerichtet. Inspektor John Hillier und der mit ihm befreundete Polizeiarzt Dr. Philip Trooper finden bei den Toten jeweils eine „Beweisakte“ sowie den historischen Henkersstrick, der vorher aus dem Kriminalmuseum von Scotland Yard entwendet wurde. Chefinspektor Morel Smith ist über den Stand der bisherigen Ermittlungen entsetzt. Hillier veranlasst, das Museum Tag und Nacht bewachen zu lassen. Dort trifft er auf den sonderbaren Journalisten Cabby Pennypacker, der sich unbedingt an der Klärung des Falles beteiligen möchte. Am Abend lässt John Hillier die Beweisakten des Henkers von dem früheren Richter Sir Francis Barry, dem Vater seiner Freundin Ann, begutachten. Der alte Herr macht keinen Hehl daraus, ein Befürworter der Todesstrafe und damit auch der mysteriösen Hinrichtungen zu sein. Er bringt in diesem Zusammenhang auch mehrere Frauenmorde eines bisher unbekannten Täters zur Sprache, zu dessen kaltblütig enthaupteten Opfern auch Hilliers Schwester zählt. Als in der Villa von Sir Francis eine Paketbombe abgegeben wird, kann ausgerechnet Cabby Pennypacker verhindern, dass jemand zu Schaden kommt. Der Reporter behauptet, dass die Bombe von dem gerade aus dem Zuchthaus entlassenen Ganoven Messerjoe stamme. Sir Francis hatte ihn einst verurteilt.

Es dauert nicht lange, bis der Henkersstrick erneut aus dem Kriminalmuseum gestohlen wird. Inspektor Hillier und Dr. Trooper bleibt nichts anderes übrig, als verstärkte Straßenkontrollen anzufordern und auf den nächsten Gehängten zu warten. Diesmal steht ein gewisser Francois Bréant vor dem geheimen Gericht. Wieder sind die Beweise gegen den „Angeklagten“ eindeutig. Als man am nächsten Morgen Bréants Leiche findet, stellt Hillier resigniert fest, dass man bereits gegen den Ermordeten ermittelte. Chefinspektor Smith fürchtet um seine Karriere und weist Hillier erbost zurück, als dieser ihn um die Zuteilung der Ermittlungen gegen den Frauenmörder bittet. Ausgerechnet an jenem Abend, als Hillier von seiner Freundin Ann zu einem Konzert eingeladen wird, erhält der Inspektor den Hinweis auf eine erneute Sitzung des geheimen Gerichtes. Mithilfe eines Polizeikommandos gelingt es Hillier tatsächlich eine solche Gerichtsverhandlung zu stürmen. Beim Henker von London handelte es sich offensichtlich um den Ganoven Messerjoe, der bei dem Einsatz stirbt. Unterdessen macht Philip Trooper die eigenartige Entdeckung, dass Sir Francis und sein Butler Jerome mitten in der Nacht alte Gerichtsverhandlungen nachspielen.

Nachdem jeder den Fall „Henker von London“ für abgeschlossen hält, übernimmt Hillier wieder die Ermittlungen gegen den Frauenmörder. Innerhalb kürzester Zeit werden zwei Frauenleichen mit abgetrennten Köpfen aufgefunden. Inzwischen werden Sir Francis und der Inspektor in ihren Vermutungen bestätigt, dass Messerjoe gar nicht der echte Henker war. Der Reporter Cabby Pennypacker findet die Leiche eines gehängten Mörders und die dazugehörige Beweisakte. Chefinspektor Smith, der den Henkersstrick in seinem Panzerschrank aufbewahrt hatte, behauptet, dass man den dazugehörigen Schlüssel aus seiner eigenen Wohnung gestohlen habe. Ann Barry, die ihrem Freund bei den Ermittlungen helfen möchte, bietet sich schließlich als Lockvogel für den Serienmörder an. Tatsächlich wird Ann auf einem Rummelplatz von einem Mann angesprochen. Diesem gelingt es jedoch, die Polizeibeamten in die Irre zu führen und Ann in sein Haus zu entführen. Bei dem Gesuchten handelt es sich um Dr. Mac Ferguson, einen verrückten Wissenschaftler. Der gewissenlose Arzt glaubt, an Ann seine erste erfolgreiche Kopftransplantationen durchführen zu können. Inspektor Hillier kann seine Freundin im letzten Moment retten. Doch Ferguson wird vor den Augen der Polizei entführt, um direkt vor dem geheimen Gericht des Henkers zu landen. Durch die Unterstützung des Reporters Pennypacker können Chefinspektor Smith und Dr. Trooper das Versteck ausfindig machen. Es kommt zu einer Verfolgungsjagd, die für den Henker tödlich endet. Als man den Toten demaskiert, erleben die Beamten eine große Überraschung: Es ist die Leiche von Inspektor Hillier. Durch den Mord an seiner Schwester hatte sich bei ihm ein krankhaft gesteigertes Gerechtigkeitsempfinden entwickelt, das ihn zum Henker von London werden ließ. Seine Helfer waren ebenfalls Hinterbliebene der ermordeten Frauen. Der Chefinspektor bedankt sich bei Cabby Pennypacker, bei dem es sich in Wahrheit um den Geheimdienstmitarbeiter Tom Jenkins handelt.
Entstehungsgeschichte
Vorgeschichte

Im Zuge der seit 1959 vom Constantin-Filmverleih vermarkteten Edgar-Wallace-Filme der Rialto Film entstanden in den 1960er Jahren zahlreiche weitere Filme nach ähnlichem Muster. 1960 startete der bereits in den 1950er Jahren etablierte Filmproduzent Artur Brauner mit den Dr.-Mabuse-Filmen eine eigene Kriminalfilmserie und ab 1962 brachte er Filme nach Stoffen von Bryan Edgar Wallace, dem Sohn des bekannten Schriftstellers Edgar Wallace, in die Kinos. Brauner hatte neben den Verfilmungsrechten der Romanvorlagen auch die Rechte erworben, die Namen Bryan Edgar Wallace und Dr. Mabuse für frei erfundene Filmstoffe zu verwenden. Mit dem im September 1963 uraufgeführten Film Scotland Yard jagt Dr. Mabuse wurden beide Serien sogar kombiniert, indem der Verbrecher aus Bryan Edgar Wallace’ Romanvorlage durch Dr. Mabuse ersetzt wurde.
Drehbuch, Vorproduktion und Besetzung

Da 1963 kein Ende der Krimiwelle abzusehen war, liefen zu diesem Zeitpunkt längst die Vorbereitungen zu Artur Brauners nächstem Kriminalfilm, der bis Ende November fertiggestellt werden sollte: Der Henker von London. Robert A. Stemmle verfasste das Drehbuch nach dem Roman George und Jojo (Originaltitel: The White Carpet) von Bryan Edgar Wallace. Als Regisseur verpflichtete man den Österreicher Edwin Zbonek, der für Brauner zuletzt den Berlinale-Beitrag Mensch und Bestie inszeniert hatte. Für das Drehbuch zu Der Henker von London reichte Zbonek im August 1963 noch einige Änderungsvorschläge ein, zu denen er unter anderem vermerkte: „In einer ersten Fühlungnahme mit dem Autor [Robert A. Stemmle] haben wir abgesprochen, bei der Herstellung dieses Films die Effekte um einen Schritt weiterzutreiben, als es sonst bei derartigen Produktionen hierzulande Brauch ist. Da ein Jugendfrei für den Film sowieso nicht in Frage kommt, möchten wir den Stil eines Grand-Guignol mit allen Gruseleffekten finden, in welchem aber auch charmante Szenen – Liebeshandlung – und komische Szenen breiten Raum haben sollen. Ich rege an, dass man für gewisse Handlungsfäden eine Verkürzung mittels Gag-Technik anwenden soll, wie es im englischen Film oft der Brauch ist. Jedes paroditische Element ist aber zu unterbleiben.[…]5] Das von Chris Howland gesungene Lied Die Kneipe am Moor wurde erstmals 1993 auf der CD Fraulein auf dem Label Bear Family Records veröffentlicht.[6] Das Stück beruht auf dem Original Kameraden, wann sehen wir uns wieder (Kneipe vorm Moor) aus der Feder von Georg Zierenberg, einem Mitglied des Nerother Wandervogels.[7]
Rezeption
Veröffentlichung

Nach der Ankündigung, dass Der Henker von London ein echter Edgar-Wallace-Film sei, erhielt Artur Brauners CCC-Film eine einstweilige Verfügung der Rialto Film, nach der dies zu unterlassen war.[8] Entsprechend wurde sowohl auf dem Filmplakat als auch im Vorspann Bryan Edgar Wallace genannt. Die FSK gab den Film am 15. November 1963 ab 16 Jahren frei. Es handelte sich um den einzigen Film der Reihe, den der Filmverleih Columbia-Bavaria vermarktete.

Der Film wurde am 22. November 1963 in den bundesdeutschen Kinos gestartet. Zu diesem Zeitpunkt lag die Uraufführung des vorherigen Edgar-Wallace-Films Das indische Tuch bereits mehr als zwei Monate zurück, sodass sich auch Der Henker von London zu einem großen Publikumserfolg entwickeln konnte. Bei den damals durchgeführten Umfragen des Fachblattes Filmecho/Filmwoche, bei denen die Kinobesucher aktuelle Filme auf einer Skala von 1 (ausgezeichnet) bis 7 (sehr schlecht) bewerteten, schnitt der Film mit der Note 3,0 ab. Zum Vergleich: Die im gleichen Jahr veröffentlichten Filme Der Würger von Schloß Blackmoor (3,1), Der schwarze Abt (2,9) und Das indische Tuch (2,8).

Der Henker von London konnte auch im Ausland vermarktet werden und lief dort unter anderem unter den folgenden Titeln:

    Dänemark: Den hemmelige liga
    Finnland: Lontoon pyöveli
    Frankreich: Le bourreau de Londres
    Griechenland: O dimios tou Londinou
    Italien: Il giustiziere di Londra
    Niederlande: De beul van Londen
    Spanien: El verdugo de Londres
    Vereinigte Staaten: The Mad Executioners

Der Film wurde mehrmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt und als Kaufvideo veröffentlicht. Für die DVD-Ausgabe im Jahr 2006 wurde die Altersfreigabe von 16 auf 12 Jahre herabgestuft.
Kritiken

    „Der Film hat die patentierten Zutaten deutscher Krimis: Viel Nacht und Nebel – auch in der Handlung –, mystische Unterwelt, dazu ein Halbirrer und eine Portion Klamottenkomik. Gute Leistungen bieten nur Hansjörg Felmy, Dieter Borsche und Rudolf Forster.“

– Hamburger Abendblatt, 4. Dezember 1963[9]

    „Ein, den Original-Wallaces nachempfundener „Krimi“, der ohne sonderliche Ambitionen nur handwerklich sauber inszeniert und dargestellt [ist].“

– Paimann’s Filmlisten, 15. Januar 1964[10]

    „Stereotyper Kriminalfilm aus der Serie der Edgar-Wallace-Verfilmungen, angereichert mit den üblichen Gruseleffekten. Mangels psychologischer Nuancierung und inszenatorischer Ökonomie wird allenfalls oberflächlich Spannung erzeugt, wobei die versteckte Sympathie für den Gerechtigkeitsfanatiker und seine Rachejustiz eher befremdet.“

– Lexikon des internationalen Films[11]
Literatur

    Bryan Edgar Wallace: George und Jojo. Ins Deutsche übersetzt von Paul Baudisch. Wilhelm Goldmann Verlag, München 1963, Goldmanns Taschen-Krimi 1249.

Hörbuch

    Der Henker von London. Ein Hörspiel nach dem Original-Kinofilm von 1963. Manuskript und Regie: Susa Gülzow. Eichborn Verlag. Frankfurt am Main 2010. ISBN 9783821863122


    Hansjörg Felmy: Inspektor John Hillier
    Maria Perschy: Ann Barry
    Dieter Borsche: Dr. Mac Ferguson
    Wolfgang Preiss: Chefinspektor Morel Smith
    Harry Riebauer: Dr. Philip Trooper
    Rudolf Forster: Sir Francis Barry
    Chris Howland: Cabby Pennypacker
    Rudolf Fernau: Jerome
    Alexander Engel: Bodenspekulant
    Narziss Sokatscheff: Messerjoe
    Harald Sawade: Familienmörder
    Albert Bessler: Francois Bréant
    Stanislav Ledinek: Jimmy Brown
    Günter Glaser: Museumschef
    Bruno W. Pantel: Schausteller
    Heinz Petruo: Stimme des Henkers
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« Antworten #1 am: 23. August 2017, 23:18:40 »

Ganz ganz große Klasse.

Der Film muss sich nicht im mindesten hinter den "echten" Wallace-Filmen verstecken, ich finde ihn sogar um einiges besser als das was zur gleichen Zeit aus dem Hause Rialto kam.

Die Besetzung ist eine wahre Augenweide, abgesehen von dem überflüssigen Chris Howland bekommt man hier wirklich nur großartige Chargen zu sehen, vor allem Dieter Borsche ist wirklich überragend psychopathische völlig der Realität entglittener Arzt und Rudolf Forster hätte man sowieso gerne öfter in solchen Filmen gesehen.

Die Musik ist der düsteren und mysteriösen Stimmung des Films angemessen und verschmilzt mit den Herrlichen Scope-Bildern von dem genialen Richard Angst der uns auch schon die "GRÄFIN", den "ABT" und die "GRUFT verschönerte. Die Story ist ohnehin sehr gut, nicht mal so ganz unglaubwürdig und durch die beiden verschiedenen Handlungsstränge wird es nie langweilig.

Das Finale des Films ist wirklich nervenzerfetzend (Im Keller des Dr. Fergusson) und die Entlarvung des "Henkers" hat mich wirklich total vom Hocker gehauen.

FAZIT: Ein durch und durch flotter und spannender Film mit einem gehörigen Schuss Gothic-Horror und allerlei interessanten Einfällen. Schade, das es nicht mehr solche Filme gibt. Für mich der beste Bryan Edgar Wallace-Film ("Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" und die anderen 3 italienischen zähle ich jetzt nicht mit).

Saftige 5 / 5  Geniale/r Film/Serie
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