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Autor Thema: Mörderspiel (D, 1961)  (Gelesen 85 mal) Durchschnittliche Bewertung: 4
filmfan
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« am: 27. August 2017, 19:24:32 »

Handlung

Klaus Troger führt ein Doppelleben: Aus Frauenhass begeht der erfolgreiche Modeschöpfer Morde an Damen der besten Gesellschaft. Seine Ehe mit Eva besteht nur noch auf dem Papier. Sie betrügt ihn seit längerem mit dem gut aussehenden Geschäftsmann Dahlberg.

Erneut hat Troger einen Mord begangen. Unweit des Tatortes wird Troger von Kersten, einem alten Bekannten, gesehen. Dieser überredet ihn, mit auf eine Party zu kommen, die von dem reichen Industriellen Hauser gegeben wird. Troger hat immer noch den Wohnungsschlüssel bei sich, dessen Anhänger mit einer Spieluhr ausgestattet ist. Er versucht den Schlüssel loszuwerden, was ihm aber nicht gelingt.

Auf der Party, an der auch seine Frau und ihr Liebhaber Dahlberg teilnehmen, versucht Troger, Kersten als lästigen Zeugen loszuwerden. Dazu soll ihm das „Mörderspiel“, das auf der Feier gespielt wird, die Gelegenheit bieten. Das Licht wir gelöscht und ein Gast, der zuvor durch ein Los als „Mörder“ bestimmt wurde, muss einen der Anwesenden „umbringen“. Von einem ebenfalls ausgelosten „Kommissar“ muss der „Mörder“ nun durch gezielte Fragen ermittelt werden. Zunächst nimmt alles seinen gewohnten Gang, bis einer der Spieler tatsächlich tot am Boden liegt. Doch es handelt sich nicht um Kersten, sondern um Dahlberg, den Troger im Dunkeln verwechselte: Wie Kersten trägt er eine Nelke im Knopfloch, die ihm ausgerechnet Trogers Ehefrau kurz zuvor ans Revers geheftet hatte.

Nach dem Mord trifft die Polizei ein und befragt nacheinander die Partygäste. Kersten wird sehr unruhig, da er sich das Auto seines Chefs ohne dessen Erlaubnis ausgeborgt hatte. Er will fliehen. Troger bietet ihm seine Hilfe an und sorgt dafür, dass Kersten bei seinem Fluchtversuch vom Hochhaus stürzt. Der Fall scheint nun geklärt: Die Polizei hält Kersten für Dahlbergs Mörder. Troger wähnt sich in trügerischer Sicherheit.

Als die letzten Partygäste jedoch das Haus verlassen wollen, verwechselt der angetrunkene Dr. Rosen seinen Mantel mit dem von Troger. Als er den Irrtum bemerkt, wirft er Troger dessen Mantel zu. Dabei fällt der Wohnungsschlüssel des letzten Mordopfers aus der Manteltasche und die Spieluhr springt an. Kommissar Lohmann präsentiert ihm den Zweitschlüssel der Wohnung, der über eine entsprechende Spieluhr verfügt. Troger ist nun als Mörder entlarvt.
Hintergrund

Die Dreharbeiten wurden in den Monaten Juli und August des Jahres 1961 im Bavaria-Atelier in München-Geiselgasteig durchgeführt. Am 19. Oktober 1961 fand die Uraufführung im Düsseldorfer Filmtheater Savoy statt.

Die französischen Darsteller mussten nachträglich synchronisiert werden. Magali Noël wurde von Rosemarie Fendel gesprochen, Georges Rivière von Jan Hendriks.
Kritiken
„Modernistisch fotografiertes Kriminalstück. Dank seiner Bildgestaltung (Sven Nykvist) weit über dem deutschen Durchschnitt.
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« Antworten #1 am: 27. August 2017, 19:24:55 »

Die ausgezeichnete Kamera-Arbeit von Sven Nykvist, der mit Ingmar Bergman zusammengearbeitet hat, soll den Zuseher zum Komplizen des Mörders machen. Durch akribisches Aufräumen und Entfernen der Spuren hat sich ein Jahr vor dieser Produktion schon einmal ein junger Mann die Sympathie des Publikums erworben: Norman Bates in "Psycho". Doch hier funktioniert dieses Vorgehen nicht. Liegt es am arroganten Gesichtsausdruck von Harry Meyen, für den man sich einfach nicht erwärmen kann? Jedenfalls ist Meyen die perfekte Besetzung für die Hauptrolle. Er bringt alle Voraussetzungen für die Figur des Modeschöpfers Andreas Troger mit: Distanziertheit, unpersönliches Erscheinungsbild, einen eiskalten Verstand und einen unbändigen Hass. Als Identifikationsfigur erwählt man sich den jungen Kersten, der von einem unbeschwerten Götz George mit leichter Hand dargestellt wird. Sobald sich der Mörder jedoch unter die Party-Gesellschaft mischt, ist jede Figur auf sich selbst gestellt und die Handlungen und Reaktionen der zwölf Anwesenden stehen im Vordergrund. Als modern und erfrischend anders empfinde ich den Umstand, dass es keine klassische Opfer-Täter-Ermittler-Konstellation gibt, bei der eine bedrohte (weibliche) Schönheit von einem smarten, heldenhaften Detektiv gerettet werden muss. Wolfgang Kieling ist ein ganz gewöhnlicher Inspektor, was kein Einwand gegen seine Darstellung ist, sondern ein Kompliment für den Mut des Regisseurs.
"Mörderspiel" wirkt zeitlos und lebt vor allem durch die Gedanken des Mörders, der das Publikum an seinen Gefühlsregungen teilhaben läßt, und dennoch ein Fremder bleibt, dessen Vorgehen man verurteilt. Nicht, dass die blonde Tote auf dem Bett einem besonders leid täte, aber man will, dass er gestellt wird, vor allem, da er weitere Morde an Unbeteiligten plant, die zufällig seinen Weg gekreuzt haben.
Die pointierten Dialoge (besonders die Kommentare von Hanne Wieder) sorgen für einen hohen Unterhaltungswert. Wie ein paar Jahre später in "Melissa", gibt es auch auf dieser Party das unvermeidliche Dummchen, das zuviel trinkt und sich dann in Szene setzt. Ausgleichend erleben wir Magali Noel und Margot Hielscher, die beide für angenehme Abwechslung sorgen.
Die Spannung hält bis zum Schluss an, als der Mörder in letzter Minute durch den Wohnungsschlüssel seines ersten Mordopfers überführt wird. Man atmet auf, dass er in Gewahrsam genommen werden kann, obwohl dies eher beiläufig geschieht und nicht auf die Ermittlungsarbeit der Polizei zurückzuführen ist, die nach dem Tod Kerstens die nächstliegende Erklärung akzeptiert, um die Wohnung verlassen zu können - ein Bedürfnis, das alle Anwesenden schon lange haben.
Die exzellente Musik von Martin Böttcher begleitet den Film auf eindringliche, aber nicht aufdringliche Weise. Helmuth Ashley inszenierte ein modernes Kammerspiel, das teilweise Giallo-Elemente enthält und die großen Vorbilder Agatha Christie und Alfred Hitchcock nicht leugnen kann. 4 von 5 Punkten Sehr guter Film/Serie
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