1. (Tatort Episode 39) Acht Jahre später 28.04.74
Obwohl die Tatort-Reihe noch keine vier Jahre alt war, hatte sie mit dem Berliner Kommissar
Kasulke und dem Kölner Zollfahnder
Kressin schon zwei Ermittler "verschlissen".

Als Nachfolger von Kressin gelang dem
WDR ein Besetzungs-Coup mit dem beliebten deutschen Filmschauspieler
Hansjörg Felmy als Kommissar
Heinz Haferkamp im "sonnigen"
Essen, meiner Geburtsstadt und auch heutigem Wohnort. Manchmal denke ich, dass die Haferkamp-Krimis noch gar nicht so lange her sind, aber wenn ich in den alten Folgen sehe, dass die Straßenbahn noch überirdisch am Hauptbahnhof vorbeifährt oder die Zeche Carl Funke zu sehen ist, die es schon ewig nicht mehr gibt, wird mir klar, dass das doch schon ein Weilchen her sein muss.

Felmy übernahm die Rolle mit 43 Jahren und war damit einer der "Jungen" unter den sonst einiges älteren Tatort-Kommissaren. Die erste Haferkamp Folge wurde von
Karl-Heinz Willschrei verfasst, einem der meist beschäftigtsten Krimi-Drehbuchautoren dieser Zeit. Die Story ist für Tatort-Verhältnisse vergleichsweise spannend und es beginnt auch gleich persönlich, denn ein entlassener Strafgefangener will dem Kommissar auf subtile Weise an den Kragen.

In den ersten Episoden ermittelt Haferkamp noch im Viererteam, hinterher bleiben
Willy Semmelrogge als sein stets loyaler Mitarbeiter
Kreutzer und
Karin Eickelbaum als Haferkamps geschiedene Frau
Ingrid als feste Besetzung übrig. Insgesamt kommt Haferkamp auf 20 Fälle und damit auf einige mehr als seine damaligen "Kollegen". Das lag u.a. daran, dass die finanzstarken Sender mehr Tatort-Beiträge lieferten als die kleineren Sender.
Merkmal vieler Haferkamp-Folgen ist seine besondere Beharrlichkeit, die oft zu psychologischen Zweikämpfen mit den vermeintlichen Tätern führen. Seine Ära endete 1980, nachdem Hansjörg Felmy immer mehr Drehbücher abgelehnt hatte. Meines Erachtens gab es insbesondere in der Anfangszeit einige starke Folgen, aber im Laufe der Zeit ähnelten die Storys immer häufiger den Themen, die auch schon bei
Der Alte oder
Derrick ständig "durchgekaut" wurden. Aber mein Eindruck kann auch dadurch beeinflusst worden sein, dass ich ab Mitter der 70er Jahre allmählich "flügge" wurde und es auch andere Dinge in meinem Leben gab als der einmal im Monat am Sonntagabend laufende Tatort.



