Ähnlich wie Dan habe auch ich besondere Erinnerungen an diesen Film, weil es das erste Bond-Abenteuer war, das ich 1981 auf Video besaß. Dass
In tödlicher Mission mal im Fernsehen laufen würde, war damals noch unvorstellbar. Ich hatte seit einem Jahr meinen ersten Video Recorder und war schon überglücklich, einige Szenen aufnehmen zu können, die ausschnittweise in diversen TV-Sendungen gezeigt wurden. Ich weiß gar nicht, wie oft ich mir damals die Gondeljagd aus
Moonraker angesehen habe.

Durch einen Freund eines Freundes war ich für einen gewissen Geldbetrag an eine Video Cassette von
In tödlicher Mission gekommen, was mir wie ein kaum zu glaubendes Wunder vorkam und in den folgenden 3 Jahren habe ich mir den Film 13mal angesehen. Darüber hinaus bekam ich noch eine mehrseitige Liste von Filmen, die ein Bekannter des Freundfreundes alle besorgen könne. Damals hatte ich noch keine Ahnung davon, dass das alles mehr oder weniger Raubkopien waren und es nicht darum ging, Fans eine Freude zu machen, sondern damit illegal Geld zu verdienen. Hoffnungsvoll bestellte ich noch
Moonraker und
Der Spion, der mich liebte. Ersterer war schon recht mäßig von der Bildqualität und sein Vorgänger schien im Schneegestöber und mit schlecht verstehbarem Ton gedreht worden zu sein.

Dafür war ich mit
In tödlicher Mission selig.

Das zwölfte Bond-Abenteuer gefällt mir von Anfang bis zum Ende sehr gut: Die wieder etwas bodenständigere Agentenstory, die abwechslungsreichen Locations, die ausgefallenen Action-Szenen, die Darsteller, der Titelsong von
Sheena Easton und natürlich die Titelsequenz von
Maurice Binder, sowie der gesamte Soundtrack von
Bill Conti.
Julian Glover ist als Kristatos zwar nicht der gigantomanische Oberschurke wie seine Vorgänger, aber meines Erachtens passt er sehr gut in diesen eher realistischen Film. Auch ohne den sonst üblichen Popanz wirkt er "schön" verschlagen und skrupellos.

Darüber hinaus gefällt mir, dass diesmal nicht von Anfang an klar ist, wer der "Böse" ist. Zu Anfang sieht alles danach aus, dass der von
Topol sehr sympathisch gespielte Schmuggler Milos Columbo (ungewöhnliche Namensähnlichkeit mit einem Kriminalisten aus USA

) der Schurke ist.
Michael Gothard als psychopathischer Killer Emile Leopold Locque sagt zwar nicht viel (oder vielleicht sogar gar nichts

), aber ich finde ihn trotzdem bedrohlich und gefährlich wirkend und er hat es dann auch redlich verdient, dass Bond ihn in seinem Auto mit einem finalen Fusstritt von einer Klippe stürzt.
Lynn-Holly Johnson kommt als Bibi Dahl und vermeintliches Bond-Girl in den obigen Posts nicht gut weg. Nach meiner Definition ist sie gar kein richtiges Bond-Girl, denn sie ist die einzige, die von Bond bewußt "verschmäht" wurde. Johnson ist zwar nur ein Jahr jünger als
Carole Bouquet, wirkt aber wie ein Teenager in einer US-Komödie, während Bouquet als "junge Frau" rüberkommt. Wahrscheinlich hätte es zu Irritationen geführt, wenn der inzwischen nicht mehr ganz taufrische Moore ein Abenteuer mit einem vermeintlichen Teenager gehabt hätte. Da war Bouquet als armbrustschwingende Melina Havelock "moralisch" schon etwas unbedenklicher.

Natürlich gefällt mir auch
Roger Moore in diesem Film besonders gut. Etwas gewöhnungsbedürftig war damals für mich, dass er sich für dieses Abenteuer liften ließ und etwas anders aussah, als ich es gewohnt war. Ja, er wirkt hier schon etwas ältlich, aber immer noch gut in Form und glaubwürdig. Besonders in seinem letzten Bond-Film
Im Angesicht des Todes habe ich des öfteren den Eindruck, dass "Opa" dank Filmtechnik immer noch ein Super-Sportsmann und Top-Liebhaber ist.
Damals fand ich die Moore-Bonds mit seinem typischen Humor alle "super", heute kommen mir mehrere Filme so vor, als wenn sie eine Aneinanderreihung diverser turbulenter Szenen sind, die mit einem Moore-Joke abschließen und schon gehts weiter in die nächsten Location und auf den nächsten coolen Spruch hinauslaufend. Bei
In tödlicher Mission stimmt meines Erachtens die Mischung aus Ernst und gelegentlichen Sprüchen.
Ein Wermutstropfen bei diesem Film ist, dass der 23jährige italienische Stuntman Paolo Rigon bei den Dreharbeiten ums Leben kann. In der famosen Verfolgungsjagd in der Bobbahn gibt es einen Schnitt, nach dem sein Rennschlitten aus der Bahn geschleudert wurde. Die Szene ist zwar toll, aber beim Ansehen muss ich jedes Mal daran denken, dass in diesem Moment ein Mensch für unsere Unterhaltung gestorben ist.

Ansonsten sind alle Action-Szenen sehr gelungen, von dem Hubschrauber-Abenteuer am Anfang, über die originelle Autojagd mit der "Ente" bis zu dem spannenden Kletteraufstieg an dem Klosterfelsen und der Gastauftritt von "Mrs. Thatcher" am Ende rundet den ganzen Film ab.

Gut finde ich auch Bonds Kommentar zu dem russischen General Gogol, nachdem das umkämpfte ATAC-Gerät auf einem Felsen zerschellt ist:
"Das ist echte Entspannung. Sie haben es nicht und wir haben es auch nicht."

