1. (Tatort Episode 12) Mordverdacht 07.11.71Von 1963 bis 1970 gab es bereits acht Fälle in Schwarzweiß mit
Fritz Eckhardt als
Oberinspektor Marek, die anfangs von
Friedrich Redl und später von Eckhardt selbst geschrieben wurden. Diese waren sehr kammerspielartig produziert, haben für mich aber trotzdem ihren besonderen Reiz. Neben verzwickten Mordfällen und ausgeprägten Charakteren spiegeln sie ein piefig-muffiges Kleinbürgertum der 60er Jahre wider. Marek ist der Leiter einer lokalen Polizeidienststelle und gerät immer wieder an Fälle, für die eigentlich das Sicherheitsbüro zuständig wäre, über deren Mitarbeiter "Die da Oben" sich Mareks Mitarbeiter Wirz so gerne aufregt. Ebenso spielen bei Ämtern und Titeln "Oben und Unten" eine große Rolle.

Typisch sind auch die emotionalen Reaktionen von zwielichtigen Gestalten. Bei Verdachtsäußerungen der Polizei zeigen sie erstmal großes Erstaunen "Woas Ih?", dann Entrüstung "So eine Unverschämtheit!" und wenn sie sich ertappt sehen, kommt das Einschleimen "Herr Inschpecktor, I seh schon, Sie hoam a guates Herz, Sie sind noch a Mensch ...".

Originelle Charaktere sind auch Mareks Team, insbesondere
Kurt Jaggberg als oft mürrischer "Bezirksinschpecktor"
Wirz, der immer seinen Vorteil im Blick hat, z.B. bei der Nutzung der Kaffeekasse

, und des öfteren grob wird, wenn er das Gefühl hat, der Stärkere zu sein und schnell ein paar Gänge zurückschaltet, wenn er merkt, dass er sich geirrt hat.
Albert Rolant spielt "den
Berntner", der zwar deutlich pflichtbewußter als sein Kollege Wirz ist, sich aber trotzdem von Marek des öfteren ein paar verbale "Waatschen" einfängt. Dann gehört noch
Lieselotte Plauensteiner als "Vertragsangestellte"
Susi Wodak zum Team, die oft mit "privatem Kram" beschäftigt ist.
Die Vor-Tatort Episoden machen Spass anzusehen, allerdings sind sie durch ihre Dialoglastigkeit und häufig lautstarken Auseinandersetzungen etwas anstrengend.

Mit dem Einstieg beim Tatort wechselt Marek von der schwarzweißen in die farbige Welt und verläßt auch immer mehr die zigarettenluftgeschwängerten Büros, um "außerhalb" zu ermitteln. Einige komödienhafte Momente gibt es weiterhin, aber nun auch gelegentlich etwas Spannung und "Action". Eine Besonderheit der Eckhardtschen Drehbücher ist es, dass sie zahlreiche Nebenhandlungen haben, die sich am Ende zu einem Ganzen fügen.
Insgesamt gefallen mir viele Marek-Folgen recht gut, so dass ich diesem Ermittler insgesamt

gebe. Bis 1983 löste er innerhalb der Tatort Reihe 13 Fälle, aber Eckhardt blieb auch weiterhin produktiv und schrieb sich 1987 nochmal eine Gastrolle in der Folge
Der letzte Mord.
Auch in der ORF-Tatort-Startfolge wimmelt es wieder von eigenwilligen Charakteren, insbesondere
Paul Hörbiger als Taschendieb Wybiral.

