
Quelle: wikipedia.org
Die Spur des Falken ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm aus dem Jahr 1941. Er gilt als Detektivfilm-Klassiker und markiert den meisten Filmhistorikern zufolge den Beginn der klassischen Ăra des Film Noir bzw. der Schwarzen Serie. John Huston schrieb das Drehbuch und fĂŒhrte Regie.
Hustons RegiedebĂŒt war bereits die dritte Verfilmung des Romans Der Malteser Falke von Dashiell Hammett. WĂ€hrend die ersten beiden (The Maltese Falcon, 1931, mit Ricardo Cortez und Bebe Daniels und Satan Met a Lady, 1936, mit Warren William und Bette Davis in den Hauptrollen) nur an den Roman Hammetts âangelehntâ waren, so ist Hustons Version nĂ€her an der Vorlage und legt den Schwerpunkt des Films auf die Charakterzeichnungen, wobei die eigentliche Handlung auf nur wenige Orte reduziert wird.
Besetzung * Humphrey Bogart: Sam Spade
* Mary Astor: Brigid O'Shaughnessy
* Gladys George: Iva Archer
* Peter Lorre: Joel Cairo
* Sydney Greenstreet: Kasper Gutman
* Barton MacLane: Det. Lt. Dundy
* Lee Patrick: Effie Perine
* Ward Bond: Det. Tom Polhaus
* Jerome Cowan: Miles Archer
* Elisha Cook jr.: Wilmer Cook
* James Burke: Luke
* Murray Alper: Frank Richman
* John Hamilton: Bryan
* Walter Huston: Schiffsoffizier
Inhalt:Die Privatdetektive Sam Spade und Miles Archer erhalten von einer Frau den Auftrag, einen zwielichtigen Charakter namens Floyd Thursby zu beschatten. Kurz darauf werden Archer und Thursby getötet, und Sam Spade versucht den Tod seines Partners aufzuklÀren. Bei seinen Ermittlungen stellt sich jedoch heraus, dass es sich mitnichten um, wie zunÀchst angenommen, einen simplen Fall von Eifersucht handelt. Vielmehr dreht sich alles um eine goldene, mit Edelsteinen besetzte Statuette, den Malteser Falken.
In San Francisco betreiben Sam Spade und Miles Archer ein DetektivbĂŒro. Dort erscheint eines Tages eine junge Frau, die sich als Ruth Wonderly vorstellt. Die Frau bittet Spade und Archer, ihre Schwester zu finden, die mit einem mysteriösen Mann namens Floyd Thursby durchgebrannt ist. Den einzigen Hinweis auf den Verbleib ihrer Schwester Corinne hat Wonderly aus einem Brief, in dem ihre Schwester schrieb, sie halte sich in San Francisco auf. Der galante Archer ist angetan von der attraktiven Wonderly und sofort bereit, Thursby zu suchen und zu beschatten. Spade kommt die ganze Sache dagegen nicht geheuer vor.
An einer StraĂenecke wird Archer von einem Unbekannten erschossen. Spade erhĂ€lt die Nachricht vom Tod seines Partners und bittet seine SekretĂ€rin Effie Perine, Archers Frau Iva vom Tod ihres Mannes zu unterrichten. Spade selbst fĂ€hrt mit einem Taxi zum Ort des Geschehens und wird von Detective Polhaus ĂŒber den Hergang des Verbrechens aufgeklĂ€rt. Polhaus und Spade mutmaĂen, dass Archer von jemandem umgebracht wurde, dem er vertraute. Auf die Frage des Polizisten, an welchem Fall Archer denn gearbeitet habe, antwortet Spade ausweichend. Kurz darauf wird die Leiche Thursbys gefunden und Spade gerĂ€t in Verdacht, seinen Partner gerĂ€cht zu haben. Iva, mit der Spade ein VerhĂ€ltnis hat, verdĂ€chtigt diesen des Mordes an ihrem Mann. Spades SekretĂ€rin hingegen glaubt, Iva habe ihren Mann getötet, um Spade heiraten zu können.
Spade wirft Iva aus seinem BĂŒro und macht sich daran, die Morde aufzuklĂ€ren. Er begibt sich zu Ruth Wonderly, die, wie sich herausstellt, in Wahrheit Brigid O'Shaughnessy heiĂt und auch sonst jede Menge LĂŒgen erzĂ€hlt hat. Als Spade sie zur Rede stellt und nun endlich die Wahrheit ĂŒber Thursby erfahren will, antwortet O'Shaughnessy ausweichend und bittet Spade, sie zu beschĂŒtzen. Obwohl der Detektiv ihr nicht ĂŒber den Weg traut, werden die beiden Partner.
Eine weitere zwielichtige Figur taucht in Gestalt von Joel Cairo auf. Auch er will Spade engagieren und bietet dem Detektiv eine Menge Geld fĂŒr die Beschaffung des Falken. Spade, der zum ersten Mal von der Statue hört, findet heraus, dass Cairo mit dem Revolvermann Wilmer Cook in Verbindung steht und der Chef der beiden wiederum Kasper Gutman ist - ein sinisterer Gangsterboss, genannt âFatmanâ. Die drei stehen mit O'Shaughnessy in Konkurrenz um den Besitz der wertvollen Statue. Bei einem GesprĂ€ch mit Gutman erfĂ€hrt Spade die Geschichte des Falken, der als Tribut des Malteserordens fĂŒr Karl V., den König von Spanien, gedacht war, aber seit dem Jahr 1539 verschollen ist. Seit Jahren schon verfolgt Gutman die Spur des Falken und hat ihn endlich in Hongkong gefunden.
Spade erhĂ€lt die Statuette aus der Hand eines sterbenden KapitĂ€ns, dessen Schiff gerade aus Hongkong in den Hafen von San Francisco eingelaufen ist. Bei einem weiteren Treffen, dieses Mal in Spades Wohnung, bei der alle Beteiligten versammelt sind, stellt sich schnell heraus, dass der schwarz emaillierte Falke eine FĂ€lschung aus Blei ist. Nach einigem Hin und Her kann Spade schlieĂlich alle losen Enden verknĂŒpfen und den Fall lösen.
O'Shaughnessy tötete Archer, als dieser sich nicht von ihr ĂŒberreden lieĂ, Thursby zu töten, um an den Falken zu kommen. Gutman, der glaubte, dass Thursby ein falsches Spiel spiele und den Falken fĂŒr sich allein haben wolle, lieĂ ihn durch Cook umbringen, der auch den KapitĂ€n erschoss. Spade ĂŒbergibt die drei Gangster (Gutman, Cairo und Cook) der Polizei. Aber auch O'Shaughnessy soll nicht ungestraft davonkommen, Spade ĂŒbergibt auch sie der Polizei.
Als der Polizist Tom Polhaus den Malteser Falken begutachtet und Spade fragt, was das denn fĂŒr eine Figur sei, spricht Spade den berĂŒhmten Schlusssatz: "Ein Stoff, aus dem man TrĂ€ume macht."
Entstehungsgeschichte John Huston schrieb seit 1938 DrehbĂŒcher fĂŒr die Warner Bros. und erhielt 1941 die Chance, zum ersten Mal Regie zu fĂŒhren. Der 1930 erschienene Roman Der Malteser Falke, fĂŒr den er auch das Drehbuch schrieb, war zuvor bereits zweimal verfilmt worden.
Warner Bros. entschied, den Roman ein drittes Mal umzusetzen, da es sich die Produktionsfirma wÀhrend der Depression der 1930er-Jahre zum Prinzip gemacht hatte, die Rechte an den jeweiligen Vorlagen möglichst billig einzukaufen und dann vollstÀndig auszuschöpfen.
Nach Hustons Meinung hatten allerdings die frĂŒheren Drehbuchautoren und Regisseure es nicht verstanden, Hammetts Buch adĂ€quat umzusetzen. Huston schrieb den Roman beinahe Szene fĂŒr Szene zum Drehbuch um, strich jedoch einige Charaktere (z.B. Gutmans Tochter Rhea). Zudem reduzierte er die SchauplĂ€tze auf einige wenige Orte (unter anderen das DetektivbĂŒro, Sam Spades Apartment, einige Hotelzimmer) und schuf damit eine klaustrophobische AtmosphĂ€re, die durch die KamerafĂŒhrung und die Kameraeinstellungen, das Spiel von Licht und Schatten sowie die Musik unterstĂŒtzt wurde.
Ăhnlich wie Alfred Hitchcock fĂŒr Rebecca erstellte Huston ein Storyboard, auf dem jede Filmszene prĂ€zisiert wurde.
Eine Vorgabe des Studios war es, George Raft die Hauptrolle des Sam Spade spielen zu lassen, doch Raft lehnte es ab, unter einem unerfahrenen Regisseur zu arbeiten. Huston vergab die Rolle dann an seinen Freund Humphrey Bogart, der zu dieser Zeit einer der fĂŒhrenden Darsteller in Low-Budget-Produktionen war.
Die Spur des Falken wurde mit einem Budget von etwa 300.000 US-Dollar innerhalb von knapp acht Wochen gedreht und gehört damit ebenfalls zu den Low-Budget-Filmen. Die relativ niedrigen Produktionskosten ergeben sich zum Teil daraus, dass die bei den jeweiligen Filmstudios unter Vertrag stehenden Schauspieler nicht je Film bezahlt wurden, sondern ein Jahresgehalt erhielten. So erhielt zum Beispiel Bogart fĂŒr das Jahr 1941 ein Gehalt von 96.525 US-Dollar.
Der Studiochef Jack L. Warner war von der Hintergrundgeschichte der Statue sehr angetan. Er setzte durch, dass Huston der Figur Kasper Gutmans mehr Text gab. Zudem erzÀhlt der Film im Vorspann mit einigen erklÀrenden SÀtzen, dass die Tempelritter auf Malta dem spanischen König die Statue im Jahre 1539 als Tribut schicken wollten, diese jedoch von Piraten geraubt wurde und seitdem verschollen sei.
Wirkung Huston setzte in seinem Film beinahe ganz auf die PrĂ€senz von Humphrey Bogart in der Rolle des Samuel Spade. So gibt es ĂŒberhaupt nur eine Szene, in der Bogart nicht zu sehen ist (als sein Partner Miles Archer erschossen wird). Die Kamera ist immer nahe an Bogart/Spade und die meisten Einstellungen vermitteln dem Zuschauer das GefĂŒhl, das Geschehen entweder aus dessen Sicht zu betrachten oder aber ihm zumindest ĂŒber die Schulter zu schauen. Dabei ist der Detektiv anfangs ein eher unsympathischer, kaltschnĂ€uziger Typ, der seinen Partner eher ablehnt, sogar ein VerhĂ€ltnis mit dessen Frau hat, und sich stĂ€ndig â auf diffuse Weise â am Rande der LegalitĂ€t aufhĂ€lt. Als Spade in ein Netz aus Intrigen und LĂŒgen gerĂ€t und sogar verdĂ€chtigt wird, Thursby oder Archer oder gar beide getötet zu haben, keimt im Zuschauer dann doch Sympathie fĂŒr den Antihelden auf, zumal Spade bei allem was er tut, sich und seinen Prinzipien treu bleibt.
Huston erzeugt Geschwindigkeit durch stĂ€ndige Telefonate, Taxifahrten und daraus resultierende Ortswechsel. Dazu spielt der Film durchgehend bei Nacht und jede auftretende Person scheint hinter der ominösen Figur des Falken her zu sein, wie etwa der halbseidene Joel Cairo, der PĂ€sse unterschiedlicher NationalitĂ€ten mit sich trĂ€gt und dessen HomosexualitĂ€t unter anderem durch parfĂŒmierte TaschentĂŒcher angedeutet wird. Andere Beispiele sind die zunĂ€chst naiv erscheinende Brigid O'Shaughnessy/Ruth Wonderly, die sich als gefĂ€hrliche Femme fatale herausstellt, der Gangsterboss Kasper Gutman, der fĂŒr einen Bösewicht viel zu kultiviert erscheint, sowie sein beinahe mitleiderregender und unfĂ€higer Revolvermann Wilmer Cook. Sie alle umgibt jeweils ein Geheimnis, welches zu lösen der Zuschauer aufgefordert ist. Einzig Spades SekretĂ€rin Effie Perine erscheint als der Ruhepol zwischen den mysteriösen Geschehnissen.
Mit seiner Adaption des Malteser Falken brachte Huston den von Hammett und Raymond Chandler geschaffenen Hardboiled-Detective adÀquat auf die Leinwand.
Sonstiges In den USA fand die Filmpremiere am 3. Oktober 1941 statt, in den deutschen Kinos war der Film zum ersten Mal 1948 zu sehen.
Der Film enthĂ€lt ein selbstreflexives Moment: Als Spade am Schauplatz des Mordes an Archer mit Polhaus spricht, ist ein zerfetztes Filmplakat zu sehen. Das Plakat wirbt fĂŒr den Film Swing Your Lady mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle.
Eine aufgrund des groĂen Erfolges geplante Fortsetzung scheiterte an Hammetts ĂŒberzogener Gagenforderung.
Das Musikduo Jon & Vangelis nutzt in seinem Song The Friends of Mr. Cairo des gleichnamigen Albums den Film als AufhĂ€nger zu Reflexionen ĂŒber das Kino. Dabei sind auch Filmdialoge im Song einkomponiert.
Kritiken âDer Beginn der âSchwarzen Serieâ, die Adjektive des Film Noir sind viel versprechende GrĂŒnde diesen Film zu bewundern, doch die EnttĂ€uschung ist unvermeidbar. Daran ist nicht der Film schuld, sondern die Zeit. Mit Beginn der Ăra pessimistischer, dĂŒsterer Filme wird nach heutiger Sicht kein beeindruckender Einstieg gezeigt, man sieht lediglich eine vage Andeutung. Wer auf einen Sturm hofft, bekommt höchstens Gewitterwolken zu sehen, dafĂŒr ist der heutige Zuschauer schon zu verwöhnt.â
â Michael Denks, Zelluloid.de
âLegendĂ€rer stilbildender Film der amerikanischen âSchwarzen Serieâ, die er mitdefinierte, perfekt gebaut, bestechend gespielt, zynisch, pessimistisch und voller schwĂ€rzestem Humor, prĂ€zise in den Dialogen, beeindruckend in der Dichte der âschwarzenâ AtmosphĂ€re, die nicht zuletzt durch eine Lichtsetzung in der Tradition des deutschen Expressionismus erreicht wird.â
â Lexikon des internationalen Films
âFor The Maltese Falcon, which swooped down onto the screen of the Strand yesterday, only turns out to be the best mystery thriller of the year, and young Mr. Huston gives promise of becoming one of the smartest directors in the field.â
â Bosley Crowther in The New York Times, 4. Oktober 1941
âDie perfekte Visualisierung von Dashiell Hammetts Thriller.â
â Pauline Kael in 5001 Nights at the Movies, 1992
âDie Spur des Falken war ein eindrucksvoller DebĂŒtfilm [...]. Aber ĂŒberbewertet, redselig, langsam und oft mit einer schwerfĂ€lligen KamerafĂŒhrung. Bogarts Launen wechseln stĂ€ndig und Mary Astors Brigid hilft auch nicht weiter, illustriert aber Hustons Frauenfeindlichkeit.â
â David Thomson in A Biographical Dictionary of Film, 1994
Deutsche Synchronfassung Die deutsche Synchronfassung gibt dem Film einen gĂ€nzlich anderen Charakter. So wurde die komplette Filmmusik durch beschwingte Jazz-Themen ersetzt, die nicht in die Entstehungszeit des Films passen, sondern eher in die Nachkriegszeit, wĂ€hrend die Dialoge in eine parodistische Richtung gehen, so dass die ursprĂŒngliche AtmosphĂ€re und damit auch die intendierte Spannung nicht unerheblich verlorengehen.
Auszeichnungen Die Spur des Falken erhielt im Jahr 1942 drei Oscar-Nominierungen:
* Bester Film
* Bestes Drehbuch (John Huston)
* Bester Nebendarsteller (Sydney Greenstreet)
Humphrey Bogart und Mary Astor gewannen 1941 jeweils den Preis als beste Darsteller des National Board of Review.
Im Jahr 1989 wurde Die Spur des Falken als einer der ersten Filme in das National Film Registry der als besonders erhaltenswert geltenden US-Filme aufgenommen.
In den im Jahr 1998 vom American Film Institute zusammengestellten Top-100-Listen ist Die Spur des Falken dreimal vertreten: In der Liste der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten auf Platz 23 und in der Liste der 100 besten amerikanischen Thriller auf Platz 26. In der Liste der 100 besten Filmzitate aller Zeiten rangiert The stuff that dreams are made of. (âDas ist der Stoff, aus dem die TrĂ€ume sind.â) auf Platz 14. Das ursprĂŒnglich von William Shakespeare stammende Zitat wurde von Johannes Mario Simmel als Titel fĂŒr seinen Roman Der Stoff, aus dem die TrĂ€ume sind verwendet und gilt heute als geflĂŒgeltes Wort.
Literatur * Dashiell Hammett: Der Malteser Falke, Diogenes, ZĂŒrich 1974. ISBN 3-257-20131-1
* Willi Winkler: Humphrey Bogart und Hollywoods Schwarze Serie, Heyne, MĂŒnchen 1985. ISBN 3-453-86084-5
* Alan G. Barbour: Humphrey Bogart : seine Filme â sein Leben, Heyne, MĂŒnchen 1984. ISBN 3-453-86001-2
* Stuart M. Kaminsky: John Huston : seine Filme â sein Leben, Heyne, MĂŒnchen 1986. ISBN 3-453-86037-3
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einer der ganz groĂen des Film Noir - Bogey in einen seiner besten Rollen. Ich habe den Film schon mehrfach gesehen und bin von der IntensivitĂ€t der Story immer wieder begeistert! Ein Meilenstein der Filmgeschichte...